Fler und Farid Interviews im Kino: Rap 2026

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    Fler und Farid Interviews im Kino: Rap 2026

    Autor: Max Kessel

    "Popcorn süß oder salzig?" "Süß. Und noch eine große Cola, bitte." Denn es wird ein langer Abend. Ich schaue auf das Ticket. Drei Stunden fünfzehn Minuten. Wenigstens gibt es eine Pause in der Mitte. Ich schlendere zu Kino 5. Davor warten bereits ein paar Leute. Einige wenige mit Baggy Pants und Cap, eine Reihe hängengebliebener Klischee-Hipsters, die sich irgendwas auf ihren Smartphones zeigen. Aber die meisten sind wie ich auch ganz normale Typen.

    Nachdem die Werbung endlich durch ist, starten die Trailer. Oft das Beste am Kinobesuch. Zuerst kommt der von Graphizzle Novizzles' erstem Film, anschließend der zum vierten Teil der Coup-Reihe. Ich muss ein paar mal schmunzeln. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, SSIO in den Hauptcast zu befördern. Dann noch der neue Teaser zu "Star Wars 10: The Dark Force Returns again after it got shattered last time when it returned", aber den kannte ich bereits.

    Irgendwann startet auch das Intro des Hauptfilms. Ein Blockbuster-Interview namens "Immer wieder episch mit Fler". Nach 95 Minuten ist Pause. Ich bekomme mit, wie sich eine Gruppe Anfangzwanziger unterhält. Der neue Teil sei ja ganz gut, aber die Enthüllungsdoku mit V-Mann Shindy letztens war besser. Ich gehe zu ihnen rüber und frage, ob sie denn auch Flers Musik hören? Ihre Antworten liegen zwischen: "Nee, den Kram nach 'Vibe' habe ich nicht mehr verstanden. Aber Interviews sind 'n Muss halt" und "Ich guck's nur, um die Stupido-Videos später zu checken".

    Nach dem Abspann werden zuerst die neuen Boxen präsentiert. Anschließend gibt es einen kurzen Ausblick auf das nächste Interview. Farid wird sich also die Ehre geben. Vielleicht wird KC Rebell sogar kurz auftauchen. Man darf gespannt sein. Der Kinosaal leert sich und auch ich packe meinen Rest Popcorn. Auf dem Nachhauseweg skippe ich durch iTunes. Der Großteil ist Deutschrap. Da ist schon eine Menge guter Stuff dabei. Auch das neue Fler-Album "Auf der Yacht ganz hinten" ist dope, nur stellenweise zu deutlich abgekupfert von Übersee. Darüber wurde aber leider gar nicht gesprochen.

    Ich laufe durch eine Unterführung. Neben den Graffitis und Tags hingen hier früher Plakate von Alben oder Konzerten. Die Graffitis sind noch da, die Plakate auch. Nur zeigen sie jetzt Energieriegel, Proteinpulver und Trainingsprogramme. Präsentiert natürlich von dem einen oder anderen Rapper, der auf den Plakaten seine Muskeln spielen lässt. Das größte Plakat aber ist vom großen, goldenen M. Darauf sitzen ein paar Rapper im Tourbus im MC Drive. Darunter steht "Unser Tourkoch ist überall dabei".

    Zuhause scrolle ich noch ein bisschen über meine Standard-HipHop-Seiten. Gossip beherrscht die Überschriften, ab und zu blitzt ein Musikvideo hervor. Die Ränder sind mit Werbebalken von den kommenden Boxen, Deluxe-Boxen und Premium-Boxen gepflastert. Eine Petition von Rappern ploppt auf, die Album-Reviews verbieten möchte.

    Ich schließe alle Fenster und klappe den Laptop zu, ziehe meine Kopfhörer auf und denke daran, wie ich mit 14 stundenlang im Aggro-Board hing. Oder an 2016, wo sich all das, was heute normal ist, bereits anbahnte und jeder es geschehen ließen. Früher war nicht alles besser, aber heute nervt es mich mehr. Ich glaube, dass liegt wahrscheinlich an beiden Seiten, denn it takes two to breakdance.

    Skinny

    Der freundliche Lauch von rap.de und http://Heckmeck.TV , der sich immer über alles aufregt ||| Rap, Scotch, Games, Comics, Frauen. In der Reihenfolge.

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