Reviewrself: Private Paul reviewt sein Album "Live Fast Die Young"

    share on:
    Reviewrself: Private Paul reviewt sein Album "Live Fast Die Young"

    Reviews sind so eine Sache: Am Ende sind die Künstler eh immer angepisst. Also lassen wir die Rapper einfach selbst ihre Alben bewerten und halten selber schön den Ball flach. Wie ernst das am Ende gemeint ist? Keine Ahnung, liegt beim Rapper. Heute rezensiert Private Paul das Album "Live Fast Die Young" von ihm und Rotten Monkey. Am 15. September erscheint das gute Stück. Uns hat's gefallen - und Paul?

    “Ich hasse die meisten Menschen” ...so leitet das Vocalsample im Intro über einer diffus rumpelnden Geisterschloss-Atmosphäre das Album Live Fast Die Young von Private Paul & Rotten Monkey ein. Sollte ein Intro das Fazit des darauf folgenden Albums spoilern? Tut es das in diesem Fall? Wer weiß!

    Was es ganz bestimmt tut, ist einen wohlig warmen Flauscheteppich aus Melancholie vor dem Ohr des Hörers auszurollen, über den eben besagter eingeladen ist, zu flanieren. Hierbei sollte sich der geneigte Hör-flaneur allerdings tunlichst in Acht nehmen, denn: unter dem Teppich verstecken sich bisweilen Löcher, aus denen zu entkommen nicht immer eine leichte Übung ist!
    Aber der Reihe nach:

    “Wenn es in mir ist, dann auch in dir” Private Paul, seines Zeichens Zugpferd, Labelboss, Beatproduzent, Mastermind und Fußballmodel, hat sich hier nun also einen gleichwertigen Mitstreiter an Land gezogen, mit dem er gemeinsam ein Album in den Kasten gespittet hat.

    “Dich hier zu haben, gibt mir neuen Schwung. Ich kann nicht immer völlig allein weiter machen” Und huijuiui, diese beiden Jungs bilden ein explosives Gemisch, soviel sei an dieser Stelle schon mal verraten! Der Eine bringt seinen gewohnt angepissten, jedoch ausgesprochen nicen Style aufs sprichwörtliche Papier, während der Andere seinen (ebenfalls ausgesprochen nicen), etwas eher in Richtung fühlbare Melancholie und brettharte Reimketten ausgerichteten Stil zum Gemisch hinzuträufelt.
    Das gesamte Spektakel findet statt auf Instrumentalen Orgasmen aus der Feder des Private Paul. Ja, ganz Recht: Das komplette Album wurde von Private Paul produziert. Das heißt er (Private Paul) hat die Beats gemacht. Alle. Und das SOWAS VON GUT!!

    “ich sehe immer das schlechte in den Menschen” Die Grundstimmung des vorliegenden Albums ist natürlich wie erwartet ein Bisschen düster. Teilweise könnte man sagen “ein Bisschen düsterer”. So wird über das Leben in der Stadt und seine Schattenseiten schwadroniert, als gäbe es kein Morgen. Auf den Solotracks (als da wären Nichts, Intelligent Design, Der realste Rapper, Ich schreib und Krieg) wird es sogar noch einmal eine Idee düsterer und stellenweise fast schon emotional zerfickend. Die solotracks schicken doch bisweilen gar an, ultralord krasse Ausnahme-Machwerke zu sein, die ihresgleichen vergeblich suchen.
    Glücklicherweise bieten die beiden Recken auf diesem Album für jeden Geschmack exakt das Richtige, und so sind auch eine handvoll lustige Spaßtracks, angereichert mit Punchlines und witzigen Aussagen zu finden. Die punchlines sind hierbei so dermaßene brüller, dass es dem Hörer schwer fallen dürfte, an sich zu halten.

    “ich will so viel Geld verdienen, dass ich niemanden mehr sehen muss” Höchstes Ziel des dynamischen Duos, das so bemerkenswert agil über die Beats schlendert, ist hierbei natürlich eine ergreifende Atmosphäre zu erzeugen.
    Dies gelingt ihnen hier in jeder Hinsicht über die Gesamte Spieldauer des Albums hinweg.
    Eine Gänsehautattacke jagt die nächste, wird hin und wieder von einem kleinen Ausflug in aggressivere, angenehmere oder ironischere Gefilde aufgelockert, ohne jedoch zu irgendeiner Zeit am Gefühlszentrum des Hörers vorbeizuschnellen. Das Album macht einfach Spaß und zieht einen in seinen Bann, so als wäre es ein dämonischer Clown.

    Weiterhin erwähnenswert ist eine Featureliste, die es verdammtnochmal IN SICH HAT, meine Damen und Herren. Szenegrößen wie ODMGDIA, Scotch, Bladesa oder Prezident (ganz recht, DER prezident!) geben sich hier die sprichwörtliche Klinke in die Hand und verhelfen den entsprechenden Tracks zu willkommenen Einflüssen.

    Die Beats sind übrigens alle von Private Paul und sehr gut. Kannste staiger fragen.

    10/10

    Skinny

    Der freundliche Lauch von rap.de und http://Heckmeck.TV , der sich immer über alles aufregt ||| Rap, Scotch, Games, Comics, Frauen. In der Reihenfolge.

    comments powered by Disqus