Magazin Mar 17, 2016

    Hör mit dieser Scheiße auf, wenn Rap-Magazine Deine Musik supporten sollen

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    Hör mit dieser Scheiße auf, wenn Rap-Magazine Deine Musik supporten sollen

    Wir kriegen fast täglich Nachrichten von unbekannten Rappern über Facebook oder per Mail, die wollen, dass wir ihre Musik posten, sie interviewen, eine Review schreiben oder eine Videopremiere auf unserem YouTube-Kanal klar machen. Und wir sind klein. Kaum auszumalen, was bei 16bars, HipHop.de und den anderen los sein muss.

    Ich probiere diese Anfragen trotzdem immer und ehrlich zu beantworten. Wenn ich etwas ablehne, begründe ich, was mir persönlich daran nicht gefallen hat. Ich kann dabei nur für mich sprechen - ob deine Musik nun gut oder schlecht ist, wage ich nicht zu beurteilen. Außer die Soundqualität ist unterirdisch, dann ist es ganz objektiv gesehen nicht veröffentlichungsreif.

    Selten antworte ich nicht. Bei mir hängt das wirklich davon ab, ob ich Zeit habe, mich mit einer Einsendung zu befassen. Und die Zeit ist meistens eher knapp. Aber wenn keine Antwort kommt, dann hat das entweder zwei Gründe: Deine Einsendung war entweder schlecht, oder deine Anfrage war völlig behindert und zeitintensiv. Meistens ist es beides. Ihr könnt euch aber sicher sein, dass alle Mails gelesen werden - auch bei den großen. Hier sind also ein paar Dinge, die du vermeiden solltest, wenn du Magazine oder generell Multiplikatoren um Support bittest.

    Keine Infos über Dich und oder die Musik

    Anfrage ohne Informationen

    Sollte eigentlich klar sein, oder? Anfragen wie diese sind leider trotzdem häufig. Die Person schreibt vom privaten Facebook-Account und fragt, ob wir irgendein Video raushauen. Schmackhaft gemacht wird es mit dem Drehort. Was soll mir das sagen? Ich kann mich auch beim Popeln in Cape-Town filmen, ist es dann eine Videopremiere wert?

    Hier fehlen elementare Infos: Wie ist dein Rapper Name? Wo sind die Links zu deinen Social-Media-Präsenzen? Und - am wichtigsten - wo ist das gottverdammte Video? Hälst du dich für so krass, dass man deine Anfrage blind mit einem JA! beantworten muss?

    Video, Album oder Track müssen erst heruntergeladen werden

    Video muss heruntergeladen werden

    Wenn Du ein Video mit 1GB Filesize über einen Datenhoster schickst, dann muss ich das Video erst runterladen, um es mir anzugucken. Das heißt:

    • Ich kann es mir unterwegs nicht reinziehen, weil ich kein Gigabyte Datenvolumen dafür opfere.
    • Wenn ich am Rechner bin, muss ich einige Minuten warten, um es mir anzugucken.
    • Wenn es mir nicht gefällt, muss ich es im Ordner suchen und löschen.

    Die letzten zwei Punkte hälst du vielleicht für Erbsenzählerei, aber multipliziere das mit 10-20 Einsendungen pro Tag. Wesentlich besser ist es, wenn deine Musik über einen Streamingdienst wie YouTube, Vimeo oder SoundCloud schickst. Dann reicht ein Klick und ich kann es mir sofort reinziehen. Von überall! Dort gibt es immer einen Modi à la "nicht gelistet", sodass nur die Person mit dem Link zugreifen kann.

    Zu lange Texte

    Viel zu lange Texte

    Unbekannte Rapper sollten nicht versuchen, sich mit irgendwelchen irrelevanten Errungenschaften oder adjektivlastigen Texten zu verkaufen, sondern direkt zum Punkt kommen: Der Musik. In diesem Beispiel verstecken sich Links erst am Ende des Textes. Vorher gibt es sogar noch Bilder. Zusätzliche Infos sind toll, aber bitte erst am Ende und klar abgetrennt von der eigentlichen Anfrage. So was ist zum Beispiel als PDF-Anhang super. Außerdem wirkt das ganze wie eine Pressemitteilung. Die sind sowieso meistens gähnend langweilig und haben nichts spannendes zu verkünden. Das machen aber auch vermeintliche Profis falsch. Und zwar nicht nur im Musikbereich. Fucking PR-Agenturen.

    Kettenmails

    Kettenmails

    Macht eure Nachrichten nicht generisch und schickt nicht die gleiche an jeden ab. Außer, es bestand vorher Kontakt oder die Empfänger wollten ausdrücklich auf eine Presseliste gesetzt werden. Macht Euch die Mühe, jedem Empfänger ein persönliches Intro zu machen. Erklärt in einem Satz, warum gerade dieses Medium über einen berichten sollte. Wer uns kennt, weiß nämlich, dass wir so gut wie nie über Backpackrap sprechen. Die Chancen, dass wir das Video deines letzten Freestyles aus dem Park promoten, stehen also generell eher schlecht. Das würde mir eben auch zeigen, dass du dich überhaupt nicht mit dem Medium befasst hast. Warum sollte ich mich dann also mit dir befassen? Im Gegenteil dazu bin ich direkt interessiert, wenn du von wummernden 808s sprichst. Mit Geschleime solltest du aufpassen. Es ist nett, wenn du schreibst, dass du uns feierst, aber wenn es in Gelutsche ausartet, wirkt das wie eine Lüge.

    Dreistigkeit und Lobpreisungen

    Dreistigkeit

    Wenn du dich selbst als Star anpreist, dann sollte dein Shit auch überzeugen. Es ist generell schlecht, sich zu hoch zu loben. Das weckt erstmal Misstrauen gegenüber deiner Musik. Wenn du dann auch noch keine Probe davon mitschickst, ist das Interesse bei fast 0. Besser und ehrlicher ist es, nach Feedback zu fragen und um eine Antwort zu bitten. Dann bin ich direkt wohlwollender gestimmt.

    Genau so wack: Sätze wie "das langersehnte Mixtape", "der gehypte Newcomer" oder "das Warten hat ein Ende" bei komplett unbekannten Rappern.

    Interviewanfragen

    Wenn niemand deine Musik feiert, dann gibt es auch niemanden, der dich reden hören will.

    Eine gute Anfrage

    Das ist ein Beispiel für eine wunderbare Anfrage. Die Person ist höflich, redet nicht um den heißen Brei rum und schickt eine Hörprobe mit, die ich mir direkt anhören kann. In den meisten Fällen stecken hinter solchen Anfragen auch dopere Tracks.

    Hip-Hop-Medien-Support ist heutzutage nahezu irrelevant

    Abschließend möchte ich euch noch auf eine Sache hinweisen: Der Support von Hip-Hop Medien ist völlig überschätzt. Nur, weil ihr auf einer Rap-Seite steht oder auf Facebook geteilt wurdet, macht Euch das nicht bekannt. Der Grund liegt darin, dass die Besucherzahlen auf einer Rap-Seite meist nicht besonders hoch sind. Mit Analysetools lässt sich das einfach feststellen. Bei einer Million Besuchern im Monat, macht das im Durchschnitt ca. 33.000 Besucher pro Tag. Länger als 1-2 Tage seid ihr aber nicht im sichtbaren Bereich der Seite. Als Newcomer kommt ihr auch nicht auf die Frontpage und ihr zieht keine Klicks an. Also rechnet diese Zahl mal runter auf ca. 500 Artikelaufrufe, sollte Euch eine Seite aufnehmen.

    Vielleicht hoffst du auf einen Facebook-Post, doch auch da muss ich dich enttäuschen. Wenn man als Seite etwas postet, wird das nicht direkt an alle Fans ausgeliefert. Es sieht zuerst ein winziger Bruchteil der Fans - interagiert dann niemand mit dem Beitrag in Form von Klicks, Likes, Shares oder Kommentaren, wird der Beitrag nicht weiter ausgeliefert - die organische Reichweite liegt dann im Bereich 2% der Fans. Deshalb werden entweder nur halbwegs bekannte Leute gepostet, oder Dinge werden skandalisiert (oder beides: siehe RapUpdate oder unsere Satireartikel, die wunderbar funktionieren). Deshalb ist die Anzahl deiner Fans natürlich schon ein Faktor, der sich nicht von der Hand weisen lässt. ABER: Kauf auf keinen Fall Follower. Das merken wir und es bringt dir langfristig nichts, da sie mit deinen Inhalten nicht interagieren und so deine organische Reichweite ficken.

    Wichtiger ist es, dir konstant eine Fanbase aufzubauen. Sei in Foren aktiv, vernetze dich in Facebook-Gruppen und auf Twitter. Probiere Features mit bekannteren Leuten zu machen. Das bringt dir wesentlich mehr Erfolg, als Berichterstattung. Und wenn du da was gerissen hast, probiere es mit Videopremieren auf den Channels der Magazine. Denn das ist das einzige, was dir wirklich was bringt.

    RapIstChief

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