Was macht Ufo361 in 10 Jahren? Der U-Bahn Rapper vom Kotti

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    Was macht Ufo361 in 10  Jahren? Der U-Bahn Rapper vom Kotti

    Was machen deutsche Rapper in 10 Jahren? In der heutigen Ausgabe geht es um den Berlin-Representer schlechthin: Ufo361. Vor fünf Jahren erschien der ehemalige Sprayer durch seine Parts auf dem Hoodrich Sampler erstmals auf meiner Bildfläche. Doch was macht er 2026? Die Analyse seines Wandels von 2011 bis heute lässt eine klare Prognose zu:

    „Zurück bleiben Bitte“ tönt es aus den Lautsprechern der U8 Richtung Hermannstraße. Die Leute nehmen ihre Plätze ein, nur ein knapp 40 jähriger mit Gin-Fahne bleibt Müde im Gang stehen. Sobald die Bahn quietschend anrollt, beginnt er zu rappen: „Egal was ihr macht, man ich zieh mein Ding durch/Gras noch immer nicht legal, doch ich zieh mein Ding durch/Ich brauche kein Label, ich mach alles allein/ihr wisst bescheid, aaah Ufo361.“ Während er so vor sich hin spittet, läuft er mit ausgestreckter Hand zwischen den Sitzen umher, wo der Ein oder Andere mitleidig dreinblickende Fahrgast ihm einen Euro zusteckt.

    Wie konnte das passieren? Wie konnte der vor 10 Jahren so gehypete Trap-Virtuose so enden? Ufos Karriere stand nach der Veröffentlichung von Ich bin 3 Berliner im Frühling 2017 auf ihrem Höhepunkt. Das finale Mixtape seiner Trilogie schlug ein wie eine Bombe und verhalf deutschem Trap, dessen Hype schon abzuklingen schien, zu neuem Glanze. Der Erfolg brachte Ufo neue Freunde und einen Haufen Kohle. In nächster Zeit war Ufo nur noch in den besten Berliner Clubs anzutreffen.

    Doch Alkohol, Edelnutten und Koks sind teuer, der Umgang mit Geld schwierig, so dass Ufo nach einigen exzessiven Partymonaten und einer Nasenkorrektur vor einem leeren Konto stand. Neue Musik musste her! Es war also Zeit für sein zweites richtiges Soloalbum. Mit 30 Litern Bombay Gin, einigen vorgerollten Joints und seiner Fensterglasbrille schloss sich der inzwischen Braids tragende Ufo in seinem Studio ein und begann Texte zu schreiben.

    Wenige Wochen später waren seine Lyrics auf den neuen Brettern der Broke Boys aufgenommen, gemischt und gemastert. Endlich ein vollwertiges Album, welches nicht nur digital erhältlich sein sollte, sondern auch im Laden gekauft werden kann! Da Ufo alle Labelangebote ausgeschlagen hatte, dauerte es aber, bis genug Kohle für Presswerk und Vertrieb aufgetrieben waren. Sogar seine Grillz verpfändete er, um das Budget anzuhäufen.

    Als die Platte endlich in den Regalen stand, war das Interesse an deutschem Trap längst erloschen. 808s waren nicht mehr cool, das Phänomen wurde längst von etwas Neuem abgelöst. Das Album floppte und wurde nur von wenigen kreuzberger hardcore Fans gekauft, auch wenn er die meisten längst verprellt hatte. Das gewaltige Ego des 361ers war gebrochen und Ufo stürzte alsbald in eine tiefe Existenzkriese, rasierte sich seine Braids ab, kramte die alte Snapback aus dem Keller und begann wieder zu taggen.

    Nachdem er mehrfach beim Schwarzfahren erwischt wurde und die inzwischen auf 120€ angestiegene Strafe nicht zahlen konnte, musste der ehemalige Rapstar für 30 Tage in den Knast. In alten Erinnerungen schwelgend schrieb er dort ein paar Texte, die er heute zwischen U1 und U9 zum besten gibt. Eine Wohnung im beliebten Szene-Bezirk Kreuzberg kann er sich natürlich nicht mehr leisten, dennoch pendelt er täglich in seinen geliebten Kiez. Wenn man ihn heute am Kotti trifft, wo er alleine durch die gegen schlurft, hört man ihn murmeln: "Ich hör nicht auf… ich bin ein Berliner… 361…"

    Sippi

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