Yung Hurn „Krocha Tape“ - Dadaismus im 21. Jahrhundert

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    Yung Hurn „Krocha Tape“ - Dadaismus im 21. Jahrhundert

    „Nein, nein, nein - ich hab keine Zeit“. Mit diesen Worten endet der virale Hit „Nein“ von Yung Hurn, welcher im Sommer 2015 mit dem dazugehörigen Video für große Aufmerksamkeit im Netz sorgte. Der banale Text, die gelangweilte Vortragsweise, der ästhetische Beat - alles passt. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Wer diesen Erfolg für ein One-Hit-Wonder hielt, der lag falsch. Mit seinem Mixtape „22“ im Juli 2015, lässt er erneut viele ratlose Gesichter zurück. „Ist das so gewollt? Meint der das ernst?“ Ja, das tut er. Ohne Kompromisse.

    Und hat man das Mixtape zum ersten Mal durchgehört, ist man verwundert und erstaunt zur gleichen Zeit. Hört man es danach weitere Male, dann kann man nicht mehr ohne.
    Der junge Wiener "rappt" im großen und ganzen dabei über seinen Alltag in der Donaustadt und den Genuss von Rauschmitteln. Auch der Zuhörer verfällt nach mehrmaligem Hören in eine Art "Rauschzustand". Glaubst du nicht? Probier's aus.

    Seit dem Release des letzten Mixtapes ist nun einige Zeit vergangen und nach einigen Auftritten, einem Interview für Arte und ein paar Videoauskopplungen, steht nun das „Krocha Tape“ seit ein paar Tagen kostenlos auf bandcamp bereit.

    Mit der Videoauskopplung zu seinem Track „Opernsänger“ sorgte Yung Hurn schon im Vorfeld für große Aufmerksamkeit. Das im VHS-Stil gedrehte Video und der schiefe Operngesang bringen das ganze Konzept erneut auf ein ganz neues Level. Yung Hurn zelebriert seinen Lifestyle in vollen Zügen, ohne dem Ganzen eine Zensur zu verpassen – das gefällt uns!
    Das „Krocha Tape“ kommt nun mit starken 17 Tracks daher - eine willkommene Abwechslung zu vielen anderen Tapes und EPs, die oft nur Tracks im einstelligen Bereich bieten. Wie bei den Gloomy Boyz: Für 5 Tracks wollen Casper und Montana Max 8 Euro haben (Auf YouTube kann man sie aber kostenlos hören).
    Wer will, sollte Yung Hurn also mit einer kleinen, frei wählbaren Spende auf bandcamp unterstützen.

    Im Vergleich zu seinem vorigen Mixtape fallen natürlich auch hier die himmlischen Beats auf, die einem das Gefühl geben, auf einer Wolke zu schweben. Davon ist der größte Teil von Lex Lugner produziert (weitere Producer: Mvntra, YVNGSHOKU, Shamu of Drumdummie, A Solo, Wandl, Plug Man und ICYTWAT). Außerdem spielt Autotune erneut eine große Rolle, welcher oftmals in Gesangseinlagen wiederzufinden ist. Backpacker sollten die Finger vom Tape lassen.

    Thematisch wird der Genuss von Drogen auf dem „Krocha Tape“ viel intensiver zelebriert, was das Mixtape insgesamt entspannter und ruhiger wirken lässt, als „22“. Wenn man auf dem vorigen Tape noch Tracks wie „Shootaz“, „Crack“ oder „22“ hören konnte, die insgesamt mehr in die Richtung „Trap“ gehen, findet man auf dem „Krocha Tape“ ruhigere Instrumentals und einen Vibe, der zum Chillen anregt. Nichtsdestotrotz überzeugt der junge Wiener auch in uptempo Tracks, wie z.B. „Skrrt Skrrt“ oder „HALLO HALLO HÜPFMANN“. Letzterer ist übrigens der einzige Track auf einem Ami-Beat.

    Alles in allem ist das „Krocha Tape“ ein sehr rundes Ding geworden, das an keiner Stelle seinen roten Faden verliert. Insgesamt vermittelt es eine sehr hypnotische Atmosphäre, die den Zuhörer permanent in eine Art Rauschzustand versetzt. Gut gemacht, Yung Hurn!
    Was der junge Wiener auf dem Splash Festival im Sommer für eine Show abliefern wird und ob es vielleicht doch irgendwann eine Zusammenarbeit mit der GUDG geben wird? Wir dürfen gespannt sein. Bis dahin, immer schön Stoli sippen!

    Ein Artikel von Jan-Hendrik Schnalle @janhndrk

    RapIstChief

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