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Anfang und Mitte der 2000er Jahre war Bushido sowas wie der Gott einer Jugendbewegung. Ganze Schulhöfe rappten Alben wie Vom Bordstein bis zur Skyline, Electro Ghetto und Staatsfeind Nr. 1 und wehe ein Elternteil verlor ein schlechtes Wort über die Musik des Berliner. Plötzlich wurde der 13-jährige Nachwuchskriminelle zum Meister der Argumentation und verteidigte die Texte sowie die Person Bushido mit seinem Leben. Das Ganze schlug irgendwann um: Was sich mit 7 schon langsam abzeichnete, nahm kontinuierlich seinen Lauf und der einstige Untergrundstar und Albtraum aller Schwiegermütter entwickelte sich schrittweise zum Popstar. Auch wenn er von der Promielite und den Medien immer ein bisschen belächelt wurde, so konnte er dennoch Liebessongs an der Chartspitze platzieren, einen Bambi gewinnen und brachte als Krönung des Ganzen sein Leben auf die Kinoleinwand. Die Fans waren sich allerdings einig, dass die Musik sich mit steigendem Erfolg in eine Richtung entwickelte, die ihnen so gar nicht gefallen wollte.

 

 

Dann passierte es: Der Streit mit Kay One, Mafiaskandale in der Bild und generelles Bushido-Bashing in allen Medien. Der Mann, der einst auf dem direkten Weg zur Spitze des Mainstreams war, wurde plötzlich wieder geächtet und gefürchtet. Nun taten sich zwei Möglichkeiten auf: Bushido hätte sich in elendslangen Interviews angereichert mit Erklärungsversuchen und halbherzigen Entschuldigungen irgendwie wieder in die A-Promi-Anzugträger-Gesellschaft hochkämpfen und dabei einen weiteren Teil seiner alteingesessenen Fans verjagen können. Zum Glück tat er genau das nicht und entschied sich für den Weg der Selbastachtung. Mit Sonny Black folgte ein Album, auf das ein großer Teil der Szene gewartet zu haben schien. Die alten Fans freuten sich endlich wieder den Bushido zu hören, den sie so lange vermissten und auch jüngere Semester fanden sehr schnell gefallen am Sound des Albums. Bushido war etwas gelungen, an dem viele scheitern: Er hatte es geschafft, den Vibe seiner alten Songs in die heutige Zeit zu importieren und war damit erfolgreich.

 

 

Es folgten CCN3 und eine Kollabo mit Shindy, die beide hauptsächlich Lob einsteckten, sowie mit Black Friday ein Album, das die Gemüter – aufgrund weicherer Töne – erstmals wieder etwas spaltete. Jetzt sind wir am heutigen Tag angekommen und Mythos steht an. Nach der Trennung von EGJ und dem, trotz großer Ankündigungen, eher enttäuschenden Song Mephisto erwarteten die Meisten eine ähnliche Wende wie einst 2007, aber Fehlanzeige. Bushido hämmert ein wunderbar stimmiges Grundgerüst aus minimalistischen und stellenweise fast schon nostalgisch schönen Beats auf scheppernde ganz klassische Drumsets und scheint gar nicht den Anspruch zu verfolgen, technisch höchst anspruchsvoll zu sein. Nicht zuletzt dadurch versprüht Mythos einen ähnlichen Vibe wie Sonny Black und auch die Befürchtung vieler Fans, die Texte würden unter dem aktuellen Ghostwritermangel leiden stellt sich als unbegründet heraus. Wir fragen uns einfach nur, wie Bushido es immer wieder schaft, doch noch ein gutes Album rauszuhauen.

 

Bildquelle: Screenshot Youtube