5. Juli 2020
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Eko Fresh: Weshalb die 1000 Bars besser sind als die 2020 Bars

Eko Fresh: Weshalb die 1000 Bars besser sind als die 2020 Bars

Fotoquelle: Lipstar & Frederic Lippe (Fred Production) / CC BY-SA 2.5
 
Summary:

Wir haben uns mit der Frage beschäftigt warum die 2020 Bars keine neue Meisterprüfung sind.

Wir von Heckmeck.TV sind bekennende Fans der 1000 Eko Fresh Bars. Nachdem er nur gut ein Jahr vorher bereits einen Track über 700 Bars Länge veröffentlicht hatte, der seine komplette Karriere aufrollt und biographisch wiedergibt, fragte man sich damals zurecht: Was will uns der Mann in 1000 Bars denn noch erzählen? Vor allem, da seine 700 Bars zweifelsohne richtig gut sind. Er bereitet seine Karriere mit allen Streitereien, Tiefpunkten und dem erneuten Aufstieg so spannend auf, dass die halbe Stunde beinahe wie im Flug vergehen, das Ganze untermalt von immer perfekt zugeschnittenen Beats zu dem Zeitpunkt der Karriere, über den er gerade rappt. Die 1000 Bars stellte er demnach unter einem neuen Konzept auf: „Die Meisterprüfung“. Eko suchte sich Kategorien, die seiner Meinung nach einen Kompletten MC ausmachen und versuchte sich in sämtlichen Stilrichtungen des Deutschrap auf jeweils 32 Takten zu beweisen. Er erfand so absurde Stilrichtungen wie den „Triolen-Stil“, wo er auf einem Triolen-Beat rappt, oder den „Tupac vs. Biggie-Style“ wo er jeweils ein paar Takte auf einem Tupac- und im Anschluss auf einem Biggie-Sample rappt. Legendär auch der Trippletime-Part, der eigentlich eine gute Parodie von Kollegah und Co gewesen wäre – aber leider meinte er das ernst. Nicht zu vergessen auch sein „SWAG“-Part, auf dem er probierte, wie die coolen, jungen Kids zu rappen und gnadenlos scheiterte. Eko sah am Ende zwar so aus, als hätte ihn die Marketing-Abteilung der Sparkasse erfunden, aber irgendwie machte mich das Bild glücklich. Das unangenehmste an den 1000 Bars waren aber nicht mal seine Parts (und die waren schon ziemlich unangenehm), sondern der Moderator. Vor jedem Part gab es nämlich eine Einleitung, die in mir immer wieder das Gefühl auslösten, das man verspürt, wenn man morgens nach dem saufen aufsteht und beim Blick auf das Handy feststellen muss, dass man wieder die Ex angerufen hat und verdammt, was sind das für Bilder? Dass das Ganze auch noch die Synchronstimme von Jean-Claude Van Damme, Jamie Foxx und Robert Downey Jr. ist, versaut mir seither ziemlich viele Filme, über deren komplette Laufzeit ich nur noch dran denken kann, dass das der Typ von Ekos Meisterprüfung ist. Aber zwischen all dem Trash und den unangenehmen Momenten muss ich eine Sache zugeben: Ich habe die 1000 Bars vermutlich schon 10 mal gesehen. In voller Länge – kein Skippen! Warum? Weil wir Menschen widerlich sind und uns Dinge anziehen, wo man eigentlich nicht hinsehen sollte. Die 1000 Bars sind quasi mein Autounfall an der Dorfkreuzung wo nur einmal im Jahr etwas passiert. Sie unterhalten mich einfach enorm.

Dementsprechend groß war die Vorfreude, als Eko Fresh vor zwei Tagen ein Track über 2020 Bars ankündigte. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Nachrichten wir dazu bekommen haben. Da die Ankündigung am 01. April erschien hatten wir bis letzte Nacht, 00:00 Uhr noch immer das Gefühl, es könnte nicht passieren. Nach den 700 Bars war die Vorfreude auf einen epischen Song für HipHop-Opas über die gute alte Zeit, auf eines der unangenehmsten Trash-Festivals einfach zu groß. Jetzt, nachdem sie wirklich erschienen sind steht fest: Wir haben nichts davon bekommen. Eko Fresh langweilt uns einfach über 90 Minuten auf einem Song, der weder gut, noch unangenehm ist. Er liegt irgendwo dazwischen und ist im Endeffekt wie die Bonus EPs die Rapper in Ihre Boxen packen. Einfach langweilig. Die 2020 Bars haben im Endeffekt nur einen Sinn: 2020 Bars runterrappen. Ohne großes Konzept, ohne Thema, ohne Überraschungen, es gibt keine große Unterhaltung, einfach nur BARS (Damion Davis-Voice).

Enttäuscht vom ausfallenden Cringe-Kick der es hätte werden können empfehle ich allen einfach nochmal die 1000 Bars zu hören. Der Song ist zwar in jeder Sekunde in etwa so unangenehm wie ein Besuch beim Urologen zur Prostatakrebsvorsorge, unterhält uns aber in jeder einzelnen Sekunde.

Geschrieben von
kollin
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