21. Oktober 2020
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Crystal F und Arbok 48 (Ruffiction) erklären uns ihre ekligsten Lines

Crystal F und Arbok 48 (Ruffiction) erklären uns ihre ekligsten Lines

Fotoquelle: Dexi Photography
 
Summary:

Ruffiction haben am 24.07.2020 ihr Album „Hassmaske“ released, gewohnt brachial und lyrisch herausstechend kommt es daher. Anlass genug um mit „Crystal F“ und „Arbok 48“ über ihre absurdesten, ekligsten und auch härtesten Lines auf dem Longplayer zu sprechen.

Ich möchte euch vorerst zu Platz zwei in den Charts gratulieren, habt ihr das irgendwie erwartet?

Crystal F: Im Vorfeld wussten wir in etwa wer mit uns rauskommt und wir dachten, das könnte ganz gut werden. Aber am Ende war es dann tatsächlich so, das ich dachte okay es wird doch noch ganzschön knapp, weil „Luciano“ doch noch richtig reingehauen hat und dann hatte man noch „Katy Perry“ und „Juri“ kam noch mit „Bushido“ und „Sun Diego“-Support. Am Ende dachte ich tatsächlich wir gehen auf fünf, aber dann isses die zwei geworden und wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut, denn beim letzten mal waren wir auf drei und das ist halt immerhin ein Platz besser *lacht*.

Sie nennen mich Hauke MacGyver mit Fahrradschlauch und nem Eimer, mach ich weg, was wächst im Bauch deiner Caya

Crystal F: Also das hat ja angefangen auf „Panzerband und billiges Crack“ auf dem Track „Fotze“. Da habe ich gerappt: „Hauke MacGyver – Der zu Hause Abtreiber“ und das war der Start dieses aka. Ich habe jetzt ein paar Zeilen davon durchgepeitscht und es macht mir sehr viel Spaß, quasi mit allen möglichen Alltagsgegenständen über zu Hause Abtreibungen zu reden. Es wirkt einfach süß und deswegen passt das auch sehr gut zu mir, denn es mag süß wirken, aber ist dann doch nicht ganz so gesund.

Wie geht du vor beim schreiben solcher Lines?

Crystal F: Ich glaube so etwas entsteht meistens aus der Plumpheit des Reims. Es fällt mir einfach ein *lacht*. Es gibt ja immer wieder Leute die sagen: „Warum schreibst du sowas?“. Jeder hat halt seine Sparte und ich bin eben gut in Schockrap und ich denke eben auch so, ich muss mir da nicht viel aus den Fingern saugen. Ich mache das seit 15 Jahren, mir ist das in Fleisch und Blut übergegangen, sobald ich einen Beat höre möchte ich irgendwas ganz schlimmes sagen. Es fallen mir immer erst die negativen und schlimmen Sachen ein, selten mal was positives.

Bitch, ich bin Genderneutral, doch ist der Ständer erst da, steck’ ich ihn vielleicht auch meiner Schwester in’ Arsch. „Shit can happen“ wie’s ein Engländer sagt.

Wie kommst du drauf, gegen die eigene Familie zu gehen?

Crystal F: Ach das hat einfach mal so angefangen und hat sich dann so weiter geführt. Ich habe jetzt schon meine ganze Familie durch den Kakao gezogen. Jetzt war halt meine Schwester noch nicht an der Reihe und dann dachte ich, das wäre einfach unfair und dann musste ich sie auch miteinbeziehen und das habe ich auf zwei Songs jetzt gemacht. 

Gibt’s da auch irgendwie Reaktionen, wenn deine Familienangehörigen das hören?

Crystal F: Nein, meine Familie hört sich das eh nicht an, das ist auch nicht deren Mucke. Meine Mutter hatte 2007 mal die Musik gehört und dann war sie so unglücklich, dass sie zwei bis drei Tage nicht mehr aus dem Bett gekommen ist, außer zum Kotzen. Die sind natürlich auch stolz, aber die wissen auch dass es nicht ihre Mucke ist und die sollen sich das auch nicht anhören. Ich würde keine Situation im Leben meiner Eltern sehen wo ich denke: Jetzt son geiler Ruffiction/Hauke Song, den würde ich denen jetzt empfehlen, so Sonntag nachmittags.

Macht ihr euch manchmal auch Gedanken über die jüngere Generation? Dass die das auch gut auffasst was ihr in euren Zeilen verpackt?

Arbok 48: Ich mach mir schon manchmal Gedanken, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Fans das alles verstehen. Wir haben ja auch nen engen Bezug zu unseren Fans, wir sprechen mit vielen. Ich denke die sind alle schlau genug und verstehen, dass das alles nur Spaß ist und Hip- Hop. 

Crystal F: Wir sind da sehr offen, sehr transparent. Ich habe auch mehrere Kanäle über die ich auch meine Person darstelle, egal ob im Podcast oder mein Instagram. Ich versuche den Leuten schon ein größeres Bild zu geben und das erkennen sie dann auch. Die Erfahrung zeigt, dass die jungen Leute das gut annehmen.

Leer’ den schlecht gepanschten Vodka in den Ausschnitt deiner Tochter, Kotz’ ihr zwei mal in die Fresse und die Schlampe schreit „Mach’s nochmal!“

Arbok 48: Die Line lag auf jeden Fall schon länger rum, wahrscheinlich schon zu „Ausnahmezustand“-Zeiten. Ich habe sie ausgegraben und da hat sie gut gepasst, sie hat keinen speziellen Hintergrund außer, dass ich sie im Nachhinein ein bisschen als Lückenfüller erachte, ist nicht so ne brutale Line. Die hat einfach endlich mal gepasst an der Stelle.

Crystal F: Lustig ist, dass du auf „Wer?!“ über Vodka rappst und den „Vodka – Tochter“-Rhyme benutzt und auf „Wenn ich will“ benutzt Claus den Rhyme…beides Singles, oder auf „sinnlose Gewalt“. Auf jeden Fall habt ihr auf zwei Singles den gleichen Reim benutzt.

Arbok 48: Was dir alles auffällt, das wäre mir in Jahren nicht aufgefallen.

Habt ihr schon mal ernsthaft auf den Sack bekommen? Von diversen Frauenrechtsorganisationen, Tierschutzorganisationen oder Drogenbeauftragten?

Crystal F: Nein, wie gesagt, wir sind da relativ nah bei der Community, es ist jetzt nicht so dass man da gar keine Übersicht mehr hat, die Leute wissen das auch zu nehmen. Bei uns können die Fans Sachen akzeptieren, die sie bei anderen nicht akzeptieren. Weil sie wissen, dass wir auch noch für andere Sachen stehen. Wir hatten bisher nur Probleme mit dem Index.

Kannst du nochmal erklären was da abging mit dem Index?

Crystal F: 2009 wurden alle unsere Free-Download Alben indiziert, das waren fünf oder sechs Stück. Unsere Internet Seite mit allem Internet Inhalt wurde auch indiziert von der „KJM“, das lief nicht über die „BPJM“, wie mit CDs. Deswegen sind auch unsere CDs nicht einsehbar auf der Liste A oder B sondern C – was eben für Online Medien steht. Da sind dann Porno Seiten und was weiß ich aufgeführt und eben unsere Alben. Das ist leider nicht öffentlich einsehbar. Das letzte mal hatten wir sogar ne Anzeige, das müsste 2013 oder 2014 gewesen sein.

Ne Anzeige einfach nur wegen Musik oder wie kam das zustande?

Crystal F: Das war glaube ich wegen Gewaltdarstellung. Das ging um einen einzigen Song der auf dem Prüfstand stand indiziert zu werden. Irgendeins der Rädchen hat sich dann dazu entschieden uns anzuzeigen, weil diese krasse Art der Gewaltdarstellung nicht tragbar ist. Lustigerweise vertont der Song auch einfach ein Buch, das man einfach so ohne Altersbeschränkung kaufen kann. Aber wurde auch fallen gelassen, trotzdem krass.

Ich lauf mit Spritzen in den Armen durch den U-Bahn Waggon, als wurd mir grade Blut abgenommen. Nehm nen Zug von der Bong und such den Platz wo deine Kleine sitzt und dann wird sich erstmal eingepisst.

Arbok 48: Ich habe befürchtet dass du diese Line nimmst. Der Rhyme war einfach ganz schön. „U-Bahn Waggon – Blut abgenommen“. Die Line hat an sich eigentlich keinen großen Hintergrund, außer dass mir das Bild ganz gut gefallen hat, mit den Spritzen im Arm. Ich habe schon zu Hauke gesagt, dass ich echt die Schnauze voll habe von einpissen in Raptexten. Weil ich mich auf dem Album zwei bis drei mal eingepisst habe. Auf dem nächsten Album wird man hoffentlich nicht mehr über einpissen rappen, das Thema ist durch.

Gibts bei euch öfter mal Themata bei denen ihr denkt „Ja würde ich nichtmehr machen weil einfach zu oft?“

Arbok 48: Viele Sachen wiederholen sich schon oft.

C: Es ist einfach unser Humor, sind eben auch teilweise Dinge die um uns rum passieren. Ist auch unsere musikalische Sozialisierung die wir alle haben. Wir sind alle mit abgefucktem Rap aufgewachsen. Das macht Rap für mich auch erst richtig witzig, für mich sind Texte auch wichtig. Deswegen freue ich mich auch über ein solches Format, bei dem man auch mal über einzelne Zeilen spricht.

Habt ihr durch die Art „Crossover“ die ihr immer wieder macht, die Möglichkeit euch noch viel krasser zu entfalten weil ihr die Möglichkeit habt in viele Musikrichtungen einzutauchen?

Crystal F: Also ich denke, dass wir immer schon sehr vielseitig waren was die Musik angeht, weil wir einfach aus verschiedenen Szenen viele Einflüsse hatten und auch unser musikalischer Geschmack so ist. Man denkt halt immer so, war es das jetzt? Hat man jetzt mit dieser extremen Art von Musik jetzt alle angesprochen? Es muss halt einfach passen, deswegen denke ich nicht dass sich das alles ausspielt. Natürlich möchtest du dich als Künstler immer besser ausdrücken und unsere Themen wiederholen sich auch schon ab und zu mal. Aber du versucht dich einfach immer nur besser auszudrücken. Wir als Rapper haben uns natürlich auch stark entwickelt, man muss halt sehen, dass wir einfach bei jedem Album daran arbeiten, das was uns ausmacht, weiter hervorzuarbeiten, immer eigenständiger zu werden. Das Leute erkennen „Ah, das ist ein Ruffiction Beat“. Das ist was uns ausmacht. Wir sollten nicht versuchen uns dem Mainstream anzupassen, wir sind so wie wir sind und wir werden einfach nur noch extremer oder arbeiten daran, dass die Musik noch besser klingt.

Gibt’s bei euch auch ein Musikalisches Limit? „Sowas würde ich niemals anrühren?“ Also Rufficition auf Schlager stelle ich mir schwer vor!

Arbok 48: Nichts ist unmöglich

Crystal F: Ich würde mich nie einschränken. Wir haben noch nie irgendwas nicht gemacht nur weil irgendwie eine Genre-Grenze das irgendwie verbietet. Wir hatten Mixtapes 2007, da wurde auf Elektro gerappt, weil wir einfach Bock am Musik machen haben. Und wenn ein Song auf Schlager gemacht werden würde, wie damals bei Jan Böhmermann mit der Haftbefehl Parodie, dann müsste man schauen ob es passt. Entweder es passt oder eben nicht. Ich finde auch die Remix Kultur extrem geil, wenn der Stil aufgebrochen wird, das ist das was Spaß macht an Musik. Da sollte man sich nicht verschließen, nur weil eine Art von Musik nicht dein Ding ist.

Ich frag deine Tochter am Strich, welches Loch wird gefickt? Zwei Stunden später hat sie meine Pflock in ihrem Schritt, Schlag mit dem Stock ins Gesicht. Ich bau mir die Kreissäge im Bett auf und ihr kommen die Tränen, dabei sagst du doch nett aus!

Arbok 48: Die erste Line „Mit Tochter am Strich – Loch wird gefickt“ ist auf jeden Fall in einer Line- Findungs Session mit Hauke und Klaus entstanden. An einem der ersten oder zweiten Studio Wochenenden. Alle hatten Spaß, dann kam ein Reim nach dem anderen und dann kam das bei rum. Eigentlich haben wir ganz andere Lines gesucht, das mit der Kreissäge ist dann der krönende Abschluss.

Gibts bei euch eine art Arbeitsprozess wie ihr vorgeht beim Rhymes schreiben? Macht ihr das „on the go“? Macht ihr das an nem bestimmten Platz?

Crystal F: Arbok und Claus schreiben meist nur im Studio oder hier und da mal ne Zeile zu Hause. Ich schreibe gefühlt überall wo ich bin. Es sind mir auch schon voll viele Ideen bei Gesprächen oder einfach bei Jokes gekommen. Ich versuche immer alles aufzunehmen was ich gut finde. 

Arbok 48: Ich brauche halt immer irgendwie die Ruhe oder den Vibe. Entweder man ist im Studio oder beim Zug fahren. Früher bin ich viel Zug gefahren, da konnte ich gut abschalten, in der Ruhe. Mittlerweile fahre ich weniger Zug, darum eher im Studio. Der Vibe muss stimmen, ich kann das nicht erzwingen. Wenn ich merke ich habe keine Ruhe, dann geht das nicht.

Crystal F: Finde es auch geil wenn man zusammen im Studio ist, dann ist das meistens ein schönes arbeiten.

Was ist euer Antrieb? Ist es die Lust am Reim? Ist es Hass den ihr hegt? Was treibt euch an diese Texte zu schreiben?

Arbok 48: Was mich antreibt, sind auf jeden Fall Hauke und Claus. Wenn wir im Studio sind, wirft man sich gegenseitig den Ball zu. Wenn ich höre was die anderen schreiben, dann bekomme ich auch richtig Bock. Sowas will ich jetzt auch rappen. Wenn die beiden nicht wären alter, ich wüsste gar nicht wie meine Musik oder meine Texte dann klingen würden.

Crystal F: Wir sind halt schon sehr in unserer eigenen Umgebung gefangen, wenn das mal auf die echte Welt klatscht, dann ist das schon manchmal richtig krass. Wir werfen uns immer was zu und für mich ist das auch meine Musikalische Sozialisierung. 

Fühl ich mich alleine – Google ich wie man ne Bombe baut

Crystal F: Es geht gar nicht hauptsächlich darum ein Bombe zu bauen. Es geht darum, dass man sich im Internet so verhält dass man quasi eine Überwachung hervorruft. Ich habe damals viel „The Good Wive“ geschaut. In der Serie geht es viel um Spionage. Und dann ist halt eigentlich der Joke. Ich habe keinen zum reden, dann hört mich wenigstens jemand ab, dann kann ich wenigsten mit irgendjemandem reden, das ist der Hintergrund.

Gibt hintenraus noch was zu sagen?

Crystal F: Ich muss hier jetzt auf jedenfalls auf Heckmeck.tv nochmal das Wort „Affenpuff“ erwähnen, weil mir gesagt wurde, dass jeden Monat immer noch irgendwie 80 Klicks über die Google Suche über den Begriff „Affenpuff“ auf mein altes Interview gezogen werden und diese Zielgruppe möchte ich mir natürlich nicht verscherzen *lacht* also erwähne ich es jetzt einfach nochmal: Affenpuff!

Unterstrichen mit Ausrufezeichen! Danke euch!

Arbok 48: Danke dir!

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