18. Juni 2019
Suche
LGoony im Interview: „Ich liebe es, etwas aus dem Nichts zu kreieren“

LGoony im Interview: „Ich liebe es, etwas aus dem Nichts zu kreieren“

 

Hi LGoony! Danke, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Wie geht es Dir?

Mir geht es wieder besser. Ich war die Tour über leider ziemlich krank und musste jeden Tag damit kämpfen, bis zum Abend bei den Shows meine Stimme zurückzubekommen. Zum Glück hat alles geklappt und ich musste keine Show absagen oder so.

Du gibst sehr wenige Interviews: Woher kommt das eigentlich? Hast du keine Lust, in Fanfragen-Interviews darüber zu reden, ob mal was mit Fler geplant ist, oder im großen Interview-Special deine Discographie zu sortieren und zu bewerten?

Ich glaube ich sehe Interviews einfach etwas anders, als es die meisten anderen Rapper tun. Ich sehe das eher als Informationsquelle für interessierte Hörer oder Fans und nicht so sehr als Präsentationsfläche. Deswegen denke ich mir, dass ich bestenfalls nur Interviews mache, wenn ich auch etwas Neues zu erzählen habe. Mich selber hat es immer genervt, wenn ich Interviews von Künstlern gesehen habe, in denen immer und immer wieder die gleichen Themen durchgekaut werden. Dazu kommt, dass ich eigentlich am liebsten über meine Musik wahrgenommen werde und nicht über irgendwelche Aussagen in Interviews.

Wir sind gerade in Frankfurt auf deiner Lightcore Tour, die bereits einige Tage läuft. Was war bisher dein Highlight bei den bisherigen Dates?

Ich muss echt sagen, die Städte auf der Tour waren alle richtig stark. Ich glaube, es war bisher sogar die beste Tour, sowohl von unserer Show, als auch vom Publikum her. Die sind teilweise die komplette Show durchgesprungen und konnten auch die neuen Texte, obwohl mein Mixtape Lightcore gerade einmal eine Woche vor der Tour rausgekommen ist.

Ich habe mir vorhin ein paar ältere Tour-Blogs angesehen, gefühlt sind alle nur am moshen und rumhüpfen – stundenlang. Hast du dir vor 5-6 Jahren deine Gigs genauso ausgemalt?

Vor 5-6 Jahren hätte ich nie daran gedacht überhaupt einmal live zu spielen. Da habe ich auch Musik ins Internet gestellt, aber es hat nicht so viele Leute interessiert wie jetzt und es war auch eine ganz andere Musik. Aber dann als es mit LGoony losging war es eigentlich direkt ab dem ersten Konzert immer ein riesiger Turnup. Ich glaube meine gemeinsame Tour mit Crack Ignaz Anfang 2016 war auch die erste Deutschrap-Tour bei der es dieses Level an Energie im Publikum gab. Auch da gab es schon Shows bei denen die komplette Show lang gemosht wurde.

Was ist der Unterschied mit der Glo Up Dinero Gang unterwegs zu sein oder als LGoony solo zu spielen?

Ich war ja eigentlich nie mit der Glo Up Dinero Gang unterwegs. Ich habe auf 4,5 Shows mitperformt. Meistens als 3 Track Vorgruppe für Money Boy. Das waren unter anderem meine allerersten zwei Auftritte. Die einzige Show bei der ich zusammen mit den anderen performt habe war die Show auf dem Castival in Berlin. Das war eigentlich schon lustig.
Ich war viel mit Ignaz unterwegs und das ist natürlich schon ein Unterschied zu den Solo-Shows, weil man sich da zwischendrin auch mal ein bisschen zurückhalten kann und ich dann auch einfach die Ignaz Songs feiern kann, von dem ich ja auch ein Fan bin. Solo ist da anstrengender, weil man die Show quasi alleine tragen muss, aber ich habe mit meinem Back-Up Neon Racer und meinen DJs Asad John oder hnrk auch immer ein sehr starkes Team, das mich da sehr unterstützt.

Du hast dein neues Tape Lightcore im Januar veröffentlicht. Im Gegensatz zu den letzten Künstlern, die ihre ‚Freetapes’ ausschließlich bei Premium-Streaminganbietern hochgeladen haben ist deines tatsächlich auch als Download erhältlich. (s/o) Wie kann man sich sowas als Künstler heutzutage finanziell noch erlauben – Im Bezug auf Mastering, Artworks, Produzenten?

Mir war immer wichtig, dass jeder meine Musik hören kann, auch wenn er oder sie sie sich nicht leisten kann oder will. Deswegen war ich immer ein Fan von Free Downloads. Das zieht sich bis heute. In der Zeit von Streaming kommt noch dazu, dass Musik so vergänglich geworden ist. Theoretisch kann ein Song oder sogar ein ganzes Album von heute auf morgen von der Bildfläche verschwinden, indem es von den Streamingdiensten heruntergenommen wird. So etwas gab es in den letzten Jahrzehnten nie, denn es gab ja CDs und andere Tonträger oder die Pirating-Szene. Die stirbt aber langsam auch aus, weil es keine Nachfrage mehr gibt, dadurch, dass man alles auch mit einem Free Account auf Spotify hören kann. Deswegen fühlt es sich irgendwie falsch an, Musik nur auf Streaming-Diensten zu veröffentlichen. Finanziell schränkt es einen natürlich ziemlich ein, was die Ausgaben angeht. Bei den ersten beiden Tapes haben alle umsonst für mich gearbeitet, aber jetzt wo ich Geld mit der Musik verdiene, gebe ich es natürlich auch für die Musik aus. Sei es für Equipment, Videos oder die von dir angesprochenen Dinge. Vielleicht werde ich umdenken müssen, wenn ich mein erstes Album mache und da ein bisschen mehr ausgeben will, aber bei den Mixtapes will ich das eigentlich so beibehalten.

 

 

Du mischst deine Songs selbst. Wie wichtig ist das, um deine Visionen umzusetzen?

Das war bei mir schon immer so. Es macht einen einfach unabhängiger und die Musik unkomplizierter. Ich bin natürlich kein Profi und da ist bestimmt viel Luft nach oben, aber immer, wenn ich meine Songs mal von anderen mischen lasse, bin ich am Ende nicht so zufrieden. Außerdem ist das natürlich auch wieder eine Budget-Sache. Vielleicht finde ich aber noch jemanden in Zukunft mit dem ich da zusammenarbeiten kann.

Ich habe mir vorhin Kommentare zu einen deinem ersten Song ‚fly shit’ durchgelesen, dort findet man unter anderem Kommentare a la ‚noch nie schlechte Musik so gefeiert‘. Dort haben viele das Ganze noch ironisch gefeiert. Das hast du heute gar nicht mehr, sondern du wirst immer mehr als Künstler respektiert. Wann war der Wendepunkt für dich in deiner Karriere?

Das kam mit der Zeit. Gerade als ich in der GUDG Bubble wahrgenommen wurde, gab es immer Leute, die sich damit profiliert haben, das ganze ironisch zu feiern. Mit Grape Tape und den Features mit Casper und Zugezogen Maskulin wurde das, aber dann schon ein bisschen weniger. Aber der stärkste Faktor war glaube ich das Heilig-Video. Ab da hat man meine Musik auf einmal komplett in einen anderen Kontext gesetzt.

Deine Musik ist meist nicht sehr persönlich und enthält kaum privates: Achtest du da drauf, nicht zu viel zu erzählen? Magst du das bewusst raushalten?

Eigentlich nicht und es fließen zwischen den Zeilen auch einige persönliche Dinge mit ein, aber wenn ich mal einen komplett persönlichen Track schreibe, fühle ich mich schnell komisch, weil ich mir denke, das sind jetzt Dinge, die erzählst du maximal deinen Freunden, wenn überhaupt. Also warum sollte ich das jetzt der Welt mitteilen. Kann aber sein, dass sich das irgendwann ändert und ich persönlichere Dinge anspreche, aber nur, wenn ich mich dann dabei wohlfühle.

Viele erzählen ja immer, dass sie mit Musik ihre Geschichten und Probleme verarbeiten möchten. Was ist bei dir der Beweggrund und was gibt dir die Motivation, immer wieder neue Songs zu schreiben?

Musik ist mein Hobby und ich liebe es, etwas aus dem Nichts zu kreieren, was dann im besten Fall in anderen Leuten noch positive Gefühle weckt. Es macht mir einfach Spaß und das ist für mich auch eine Art Therapie. Ich komme so schnell auf andere Gedanken und fühle mich gut.

Wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte und du heute heute nicht hier spielen würdest. Was würdest du machen? Hattest du einen Plan B?

Ich denke nicht so viel darüber nach. In meiner Lebenssituation und meinem Alter kann man fast alles machen. In die Musik Sache bin ich einfach so reingerutscht, und darüber bin ich froh, weil ich Musik liebe und in der Szene bieten sich mir auch andere Möglichkeiten, abseits vom selber Musik machen. Aber wenn es alles anders gekommen wäre, wäre das auch nicht schlimm. Dann hätte sich eine andere Tür geöffnet.

Noch ein paar kurze Fragen zum Ende: Wenn man heute den Red Bull Soundclash unter dem gleichen Motto wie mit dir Veranstalten würde, wie würdest du die Newcomer besetzen?

Puh das ist ziemlich schwierig. Ich hätte gerne Haiyti auf der Bühne gesehen, aber ein komplettes Team fällt mir gerade nicht ein. Eventuell Tightill und Juicy Gay. Aber das sind natürlich auch wieder komplett unterschiedliche Sounds.

Vor paar Jahren hast du von Orsons-Postern an deiner Wand gesprochen, wer hängt da heute?

Momentan eigentlich nichts. Ich habe mir damals bei jedem Konzert auf dem ich war ein Poster gekauft, wenn es welche zu kaufen gab. Die habe ich dann an meine Wand gehangen. Das Orsons-Konzert war das erste Konzert auf dem ich war. Heute gehe ich leider seltener auf Konzerte und oft bin ich dann selber als Gast auf der Bühne.

Und an welcher Wand hängst du – viele weißen Mittelstandkids zum Rap gebracht?

Ich freue mich immer, wenn Leute mir schreiben, dass meine Musik in ihnen gute Gefühle auslöst oder wenn sie zu meinen Konzerten kommen. Das motiviert mich mehr zu machen.

Space- Thema: Würdest du mit Elon Musk ins Weltall fliegen?

So sehr interessiere ich mich eigentlich nicht fürs Weltall. Ich fand aber, dass es immer ein cooles Thema für Rap war, genau wie Geld oder Licht oder Farben. Weil es ein abstraktes Thema ist, zu dem keiner einen wirklichen Bezug hat. Man kann so viel damit rumspielen und dadurch den Text selber in den Hintergrund rücken und die Melodien und Emotionen dafür in den Vordergrund schieben. Trotzdem shout out an Elon Musk.

Welche Weltall Doku kannst du den Lesern empfehlen?

Ich glaube ich kenne keine Weltall Dokus. Aber auch Thema Weltall: Ich kann die Science-Fiction Serie Battlestar Galactica von 2004 empfehlen. Die ist gut.

Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.

Ich danke euch. Hört euch meine Musik an oder zeigt sie euren Freunden. Kommt zu meinen Konzerten und habt Spaß am Leben.

 

Geschrieben von
kollin
Kommentare

Kommentar
  • Ich persönlich, finde das Intergalactica Tape immer noch am besten, weil ich von klein auf mich mit dem Weltraum beschäftigt habe. Für mich ist es ein Meisterwerk, das ich mir immer wieder anhören kann und auch werde. Danke an den Goony