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In unserem neuen Format „Exgertenrunde“ reden wir mit Gert Postel über aktuelle Themen im HipHop. Heute: Gesichtstätowierungen.

Mittlerweile liegt es bei Rappern, vor allem in Amerika im Trend, sich das Gesicht tätowieren zu lassen. Wenn unsere Hauptleserschaft besorgte Eltern wären, was würden sie diesen raten, wenn im Jugendalter bei den Kindern der Drang nach einem Gesichtstattoo aufkommt?

Ich würde den Eltern raten in einem auf Vertrauen basierenden, respektvollen Gespräch nach den eigentlichen Motiven solcher Absichten zu forschen und sich mit der zu Grunde liegenden Kausalität ernsthaft auseinanderzusetzen. Ich würde dabei im Gespräch helfen und kooperativ sein. Ich würde darauf hinweisen, dass sich Situationen und Lebenssituationen ständig verändern und niemand weiß, ob er auch morgen noch, oder in drei- oder in zehn Jahren richtig findet, was ihm heute als richtig erscheint. Ein solches Gespräch ist nur dann möglich, wenn eine positive Beziehung zwischen Eltern und Kind besteht.

Was sagt es Ihrer Meinung nach über eine Person aus, sich an so einer prominenten Stelle zu “markieren“?

Eine Tätowierung sagt zunächst aus, dass der Tätowierte mit seiner natürlichen Erscheinung nicht zufrieden ist, ein anderer sein möchte und dies nach außen artikulieren möchte als der, der er ist. Auch möchte er eine Tätowierung als ein Kommunikationsmittel verwenden. Die sagt etwas aus, über das, was er über seine Person mitgeteilt wissen möchte. Eine Tätowierung drückt Zugehörigkeit zu einer bestimmten soziologischen Gruppe aus, die ähnliche Werte oder auch Verirrungen vertritt und zu dieser möchte er dazugehören. Und das ist eher ein Zeichen von Schwäche, als von Stärke. Denn als Individualist durchs Leben zu gehen erscheint ihm nicht angeraten.

 

Gert Postel auf Twitter