6. Dezember 2019
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Heckmeck.TV Throwback: Die Halunkenbande

Heckmeck.TV Throwback: Die Halunkenbande

Fotoquelle: Albumcover "Beuteschema 2" / Halunkenbande
 

Die Anfänge

Baba Saad gilt als Urgestein des Straßen- und Gangsterrap. Mit CCN2, dem Kollabo-Album mit Bushido, konnte er sogar Deutschrap-Geschichte schreiben. Doch wie es bei fast allen Signings von Bushido der Fall war, verließ auch Saad nach einigen Jahren das Label und man ging fortan getrennte Wege. Nur kurze Zeit später war die Geburtsstunde eines der – nun ja, bizarrsten Labels der Deutschrap-History. Die Halunkenbande! Was einst mit Sadiq und Du Maroc als Straßenrap-Label noch ganz gut anfing, endete in einer ungewollt schrägen Label-Konstruktion und Momenten, die heute noch tief im Deutschrap-Trash verankert sind. Die Anfänge der Halunkenbande, um die es hier eigentlich im Artikel geht, liegt im Jahr 2013 mit dem Signing des ehemaligen VBT-Finalisten EstA. Es wirkte in dem Moment schon irgendwie abstrus, wenn ein kredibiler Straßenrapper sein Talent-Scouting im VBT startet und am Ende einen EstA unter Vertrag nimmt, der seine Songtexte zwischen Uni-Vorlesungen und VBT schrieb. Das erste Album des Saarländers kam übrigens ausschließlich mit 2Bough-Produktionen aus, der heute bei allen Lesern weniger für Beats- und mehr für Reaction-Videos bekannt sein sollte. Nachdem EstA mit dem Album überraschenderweise in die Top 10 der offiziellen Charts einstieg hatte Baba Saad sichtlich Blut geleckt. Es sollten weitere VBT-Rapper sein. Kurze Zeit später unterschrieb also Punch Arogunz – ein zu der Zeit enger Freund von EstA. Dies war die offizielle Geburtsstunde von HB13, dem Label, welches uns bereits einige Monate später mit einem denkwürdigen Release beglückte.

Der Beuteschema Sampler

EstA, Punch Arogunz und Baba Saad haben sich zusammengesetzt und ein Album veröffentlicht, das noch viele Jahre später ungewollt eine viel zu große Rolle in meinem Kopf einnimmt. An schlechten Tagen sitze ich an meinem Schreibtisch, arbeite an meiner Karriere und dann kommt der Moment, wo mir wie aus dem Nichts Punch Arogunz Zitate ins Gehirn schießen – und ich kann mich nicht dagegen wehren.

„Gestatten Benjamin, Rapmachine, programmiert auf Geld verdienen“

– Punch Arogunz auf „Rapmaschinen auf Beats“

Als wäre der Songtitel „Rapmaschinen auf Beats“ nicht schon schräg genug, setzen das Videos und die Lyrics noch einen obendrauf. Leider sind Zitate wie dieses kein Einzelfall auf dem Album, denn solche völlig unpassenden und wenig glaubwürdigen Lyrics ziehen sich durch das komplette Release. Was man sich an dieser Stelle nochmal vor Auge führen sollte: Baba Saad war Jahre zuvor mit verantwortlich für einen legendären CCN-Teil mit Bushido. Nun, ein paar Jahre Später, schreibt er Songs mit VBT-Rappern, die in den gemeinsamen Singles verbal gegen Rapper vom Format eines Battleboi Basti und Weekend schießen und sich in den Parts dafür abfeiern, wie schnell sie rappen können. Dass man probierte, das Ganze als ernstzunehmendes Album zu verkaufen grenzt fast an einen schlechten Scherz und dass „Beuteschema“ am Ende sogar auf Platz 7 der offiziellen Charts landen konnte stimmt mich heute noch fassungslos. Ja, ich weiß, diese Platzierungen haben generell nichts auszusagen und Vergleiche lassen sich nur schwer treffen, da es immer wieder starke und schwache Wochen gibt, aber wenn Tua mit seinem neuesten Album „nur“ eine Platzierung drüber war, hinterlässt das Ganze einen faden Beigeschmack. Ich weiß auch gar nicht, wem ich hier diesen Vorwurf machen soll. Jedenfalls soll sich jeder, der das hier liest und im Besitz von „Beuteschema“ ist immer noch ein bisschen schämen. Ich hoffe, ihr habt heute noch mit schlaflosen Nächten zu kämpfen.

Weitere Signings

Nach den überraschend hohen Verkaufszahlen, kam der nächste großen Business-Move. Wenn Saad mit zwei VBT-Rappern schon Erfolge feiert, was machen dann wohl vier? Also: Noch mehr VBT-Rapper. So diffus wie bereits die Sinings von Punch Arogunz und EstA waren ging es weiter. Mit Twizzy und Cashisclay stattete man weitere zwei ehemalige VBT und JBB-Veteranen mit Verträgen aus, die in Punkto Glaubwürdigkeit und Themenvielfalt ähnlich viel zu bieten haben wie EstA und Punch Arogunz. Die HB13 war nun als Auffangstation ehemaliger VBT-Rapper bekannt und Saad hätte alleine mit seinen Label-Signings ein eigenes Mini-Battleturnier starten können, was mit großer Sicherheit auch mehr Anklang gefunden hätte, als der kommende Sampler – der Tiefpunkt der Labelgeschichte. Aber mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Beuteschema 2

Womit hat Deutschrap das verdient? Denn wie wir alle wissen gibt es eine alte Regel die besagt: Es muss immer einen zweiten Teil geben. Das dies meist bei Klassikern der Fall ist, lassen wir mal so stehen. Der absolute Höhepunkt des Beuteschema 2 Samplers war die gemeinsame Single „Game Over“ von Cashisclay und Punch Arogunz, die ich bis heute immer noch nicht richtig einordnen kann. Angekündigt wurde der besagte Song von Cashisclay mit den Worten „Ihr wolltet den Double/Trippletime Track? Da ist er!“. Gut. Da stehen also die zwei deutschesten Studenten-Rapper die ich je gesehen habe vor einem Greenscreen und Cashisclay rappt bereits in den ersten Zeilen davon, wie er Mütter fickt, während seine Zahnspange so stark reflektiert, dass es mich mehr blendet, als sein anschließender Doubletime. Der Song wurde (völlig zu Recht) so stark kritisiert, dass man im Anschluss meinte, es wäre alles gar nicht ernst gemeint gewesen. Witzig aber, dass das Master wohl bereits abgegeben war und der Song am Ende auf der Platte gelandet ist.

Streitereien und Auflösungen

Das legendäre Line-Up konnte man nur einige Monate aufrecht halten – die Hälfte des ehemaligen Labels sind nun bei Punch Arogunz Label „Attitude Movement“ unter Vertrag. Wegen fehlender Unterstützung ging zuerst EstA, der es nur ein Soloalbum unter Baba Saad aushielt, während Punch Arogunz sich als letztes Mitglied das Halunkenbanden sogar das Label-Logo auf den Arm tätowieren lies und ewige Treue schwor. Das Ganze ging sogar so weit, dass er ein Vertrag über 10 Alben unterschrieben hat. Das ist in jeglicher Hinsicht vermutlich die schlechteste Idee, die ein Mensch jemals hatte. Stellt Euch mal vor, ein junger, talentierter Fußballer wie Kai Havertz unterschreibt morgen für 15 Jahre bei Leverkusen. Nicht sonderlich vernünftig. Punch Arogunz bestätigte im Endeffekt das Klischee von Menschen, die sich den Namen Ihres Partners tätowieren lassen und trennte sich nur wenige Monate später von der Halunkenbande. Es kam auch wie es kommen musste und seit der Trennung stehen Punch Arogunz und Baba Saad im Streit – natürliche inklusive allem, was dazu gehört. Disstracks, große Abrechnungen und natürlich auch Vorwürfe wegen Kohle. Erst ein gemeinsames Album, dann in Tracks gegenseitig schießen. Der Klassiker!

Nachdem auf dem Label im Jahr 2019 gar keine Künstler mehr unter Vertrag stehen, das VBT nicht mehr läuft und Baba Saad seine Rapkarriere zum gefühlt vierten Mal beendet hat, steht die Halunkenbande scheinbar komplett vor dem aus. Witzig war es trotzdem und die ehemaligen Künstler sorgen auch heute noch für genügend Trash-Momente.

Kommentare

Kommentar
  • Den Beuteschema 1 Sampler habe ich noch gut in Erinnerung. Meiner Meinung nach war er nicht so schlecht. Vielleicht müsste ich ihn mir aber wieder einmal reinziehen. Schade dass du nicht über Bang Bang erzählt hast, das wohl chaotischste Kollaboalbum der Rapgeschichte…

    Die guten alten Zeiten als Saad auf Juliens Kanal Werbung gemacht hat und gesagt hat „die Box ist kein 0815 Scheiss wie bei den anderen Rappern. Kein T-Shirt ist drin!“. Was bekamen die Boxkäufer am Ende? Ein halbes Album (das „volle“ Album bekam man irgendwie nur als Käufer der Standard-CD), ein T-Shirt, Poster. Wow

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