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Dipset:

Um das Jahr 2004 herum schwappte eine Welle aus den USA über, die wohl besser dort geblieben wäre. Inspiriert von Juelz Santana und Cam’ron kleideten sich Rapper wie Sentino, Snaga & Pillath, Kid Kobra und auch die bereits etablierte Szenegröße Savas in viel zu großen Shirts, bunten Basecaps und geizten nicht mit Goldschmuck. Gekrönt wurde all das von Vogelgeräuschen, Amibeats und dem obligatorischen „Holla at ya boy“. Definitiv keine Sternstunde im Deutschrap.

 


Poesiealben-Rap

Als Casper an XOXO arbeitete war ihm bestimmt noch nicht klar was er anrichten würde. Den Erfolg kann ihm niemand absprechen, zehntausende Mädchen traf das Album mitten in der Pubertät genau ins Herz und Casper schien die moderne, leicht depressiv abgemagerte Version des Prinzen auf dem weißen Pferd zu sein. Solche Glanzmomente braucht ein Genre ja auch, aber der Rattenschwanz, den die Platte nach sich zog schmerzt bis heute. Die neuen Caspers dieser Welt kamen aus ihren Löchern gekrochen, streiften das Straßenrapgewand ab, legten das Jeanshemd an und ließen sich Föhnfrisuren stehen und sammelten mit Phrasen aus dem Poesiealbum auf Indiebeats jene Krümel auf, die von Caspers Teller fielen.

 


Die rappenden Türsteher

Vor mehr als zehn Jahren öffnete der junge Massiv keine Tür zur Rapszene – er riss direkt die Wand ein. Der Muskelberg schockte das halbe Land mit seiner aggressiven Stimme, dem bedrohlichen Äußeren und der Tatsache, dass er keinen Hehl aus seiner Abstammung und seinen Sympathien zur arabischen Kultur machte. Was sich heute wie knapp ein Drittel aller Rapper in Deutschland liest, war 2006 völliges Neuland und es dauerte nicht lange, bis haufenweise 2-Meter-Riesen mit Tattoos und bösem Blick ihr Glück als Rapper versuchten. Zum Glück für uns alle, muss man für den Erfolg eben mehr als nur das bedrohliche Auftreten mitbringen und so verschwanden viele ebenso schnell wie sie gekommen waren auch wieder.


Ich bin kein Rapper. Ich bin Musiker.

Einen genauen Startschuss für dieses Phänomen zu finden ist schwierig, aber irgendwann begannen Rapper damit, sich für ihr Rapper Dasein zu schämen. Beats waren nicht mehr gut genug und so musste ein Schlagzeuger ins Studio kommen und exakt das spielen, was zuvor der Drumcomputer gemacht hatte. Hörbare Unterschiede gab es keine, aber immerhin war es jetzt möglich, im Interview so herablassend wie nur irgendwie möglich zu erzählen, man habe für das Album mit ECHTEN INSTRUMENTEN gearbeitet.

 


Afro-Trap

Die Franzosen machten es vor, Bonez und RAF brachten es nach Deutschland und eine Zeit lang war‘s ja auch cool. Spätestens als Palmen aus Plastik allerdings eine Auszeichnung um die Andere kassierte, nahm das Übel seinen Lauf. Jedes zweite Album bekam seine Afro-Trap-Nummer. Ob diese nun ins Konzept des Albums passte oder nicht war vollkommen egal, Hauptsache man schaffte es irgendwie in die Shishabar-Spotify-Playlists und bekam sein Stück vom Kuchen ab. Auch wenn aus der Afro-Trap-Welle einiges an guter Musik und viele Sommerhits entstanden sind, befindet sich der Trend langsam auf dem Weg ins Nervige.

 

Fotoquelle Titelbild: Cover