17. November 2019
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Was wir aus dem Alpha Royale lernen können

Was wir aus dem Alpha Royale lernen können

Fotoquelle: Pressefoto Kollegahs (2015)“ by Selfmade Records is licensed under CC BY 2.0
 

Wir alle haben es uns jahrelang gewünscht. Bekannte und etablierte Rapper in Battleturnieren – Support von den ganz Großen, um die Kultur weiterhin am Leben zu halten, denn finanziell gesehen sind Written-Battle-Veranstaltungen weder für Künstler noch für Veranstalter besonders attraktiv. Zu explizit für Sponsoren, zu wenig Besucher um große Investitionen zu tätigen und zu sperrig für völlige Neueinsteiger – außerdem kommt das Battle in ein paar Wochen sowieso kostenlos auf YouTube. Mit dem Top Tier Takover X Alpha Royale trat mit Kollegah erstmals ein Mitveranstalter auf den Plan, der bereit war Battlerap von seiner Reichweite und seinem Geld profitieren zu lassen. So startete ein vielversprechendes Turnier mit großen Namen, großem Hauptpreis und prominentem Host, der im Vorfeld fleißig die Werbetrommel rührte. Rückblickend betrachtet gab es im Rahmen der Veranstaltung zwar gute Battles, aber in langfristiger Erinnerung bleiben wohl die fragwürdigen Juryvotes und generelles Kollegah-Bashing. Die Szene sollte die Chance nutzen und bedenken was wir aus diesem Turnier lernen können.

Gagen statt hohe Preisgelder

Ein hohes Preisgeld ist immer ein guter Anreiz um viele und vor allem bekanntere Teilnehmer zum Mitmachen zu bewegen. Doch schon das (in Livebattlekreisen eher belächelte) VBT konnte uns eines besseren Belehren, dass ein hohes Preisgeld nicht alles ist, denn teilweise gab es weit über 1500 Teilnehmer – mit einem einzigen Pokal und einem Gig als Hauptgewinn, während das VBT mit dem hochwertigsten Preis – aus heutiger Sicht – weder die besten Battles noch die prägnantesten Teilnehmer aufweisen kann. Veranstalter sollten auch bei Turnieren lieber die Gagen für jedes Battle erhöhen und anstelle des Preisgelds einfach eine Medaille (oder wie bei DLTLLY einen Champion-Belt) an den Turniersieger übergeben. Kein Rapper wird sich weniger Mühe geben und auf der Bühne vor Hunderten blamieren, nur weil er sein Geld auch als Verlierer bekommt.

Judges müssen ihre Entscheidung begründen

Ja, Jurymitglieder sind auch nur Menschen und ihre Votes dementsprechend von Gefühlen und subjektivem Geschmack beeinflusst. Dennoch sollten sie ihre Entscheidung begründen – nicht nur aus Respekt gegenüber dem benachteiligten Rapper und den Zuschauern, sondern auch aus Selbstschutz, da ein verständlich begründeter Vote viel schwerer als Homievote oder Schiebung abgestempelt werden kann.

Weniger befreundete Rapper als Judges

Es ist vollkommen egal, ob Ali As und Jigzaw nun richtig oder falsch entschieden haben. Alleine die Tatsache, dass sie in so enger Verbindung zu Mitveranstalter und Juror Kollegah stehen, genügt schon um Stimmen aufkommen zu lassen, die behaupten etwas würde nicht korrekt laufen. Um sowas vorab zu vermeiden, sollten einfach alle Judges untereinander möglichst wenig Verbindungen haben.

Anwesenheitspflicht für Judges

Egal wie er versucht es zu begründen, die Tatsache, dass Ali As während Ssynics Runde einfach den Raum verlassen hat ist schlicht und ergreifend an Respektlosigkeit nicht zu überbieten. Auch wenn er behauptet, er hätte bereits nach 12 Takten erkannt (Ja, Ali As zählt die Takte im Acapellarap) wer der bessere war, kann man so nicht stehen lassen. Stellen wir uns kurz vor, wie der Schiedsrichter im WM Finale nach 20 Minuten vom Platz geht mit der Begründung er habe schon gesehen, welche Mannschaft die Bessere ist.

 

Bildquelle: „Pressefoto Kollegahs (2015)“ by Selfmade Records is licensed under CC BY 2.0

Geschrieben von
kollin
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