Hi Crystal F. Danke, dass du Dir die Zeit genommen hast. Wie geht es dir?

Mir geht’s gut, danke der Nachfrage.

Wir haben uns vor einigen Tagen bereits über deine ekligsten Lines unterhalten. Du machst ja nun schon seit 12 Jahren Musik: Fällt es dir langsam schwer, dich selbst immer wieder in der Hinsicht zu toppen?

Nein, eigentlich ist das nie ein Thema für mich gewesen, da ich ja schon super früh wirklich hart angefangen habe. Ich habe aber glaube ich immer Phasen wo mich die eine oder andere Sache mehr interessiert oder stattfindet. Die Ruffiction Alben sind ja nicht ganz so Gewalt- und Horror-lastig. Da ist das immer eine schöne Abwechslung.

Wie oft musst du eigentlich noch Leuten außerhalb der Rapszene erklären, dass das alles nicht Todernst gemeint ist?

Ach, das ist eigentlich nie so ein Ding was man groß erklärt. Wenn Leute mich kennen lernen und fragen was ich für Musik mache, sage ich, dass ich über Heroin spritzen und Menschen umbringen rappe. Da ist das Ding dann meist gegessen. Wenn man sich mit mir unterhält ist das ja auch irgendwie eindeutiger als wenn man wie früher nur Videos sieht wo ich Frauen im Keller foltere. Ich vereine ja auch einige Gegensätze bzw. habe keine Lust mich für irgendwas zu rechtfertigen.

Hast du eigentlich auch mit aktuellen und vergangenen Projekten viel mit der BpjM zu tun? Die Texte sind ja nach wie vor sehr explizit. Passt man da beim Schreiben eines Albums ein wenig drauf auf, dass da nichts passiert, auch finanziell gesehen, oder ist einem als Künstler das ganze erst mal egal?

Also wir hatten da eine ganz heiße Phase wo Indizierungen und daraus resultierende Anzeigen sehr häufig waren. Ein Glück hat sich das ganze Index Ding sehr geändert. Mittlerweile kommen ja eigentlich nur noch Probleme auf, wenn etwas öffentlich für Aufsehen sorgt wir bei Jbg3 oder Bushido. Da können wir alle uns bei Rammstein bedanken. Danke Rammstein. Bei meinem letzten Album Narben habe ich darauf geachtet, dass das komplette Album und das Hörbuch dazu eine Einheit ergeben und das wäre auch tatsächlich das erste Album gewesen, bei dem ich Einspruch eingelegt hätte. Aber vom Härtefaktor achte ich nicht darauf. Es gibt Dinge, die ich früher witzig fand und gesagt habe die ich seit Jahren nicht mehr benutze. Aber das hat damit zu tun, dass ich bestimmte Dinge aus jugendlichem Leichtsinn aus Spaß gesagt habe ohne, dass es je meine Meinung wiedergespiegelt hat. Aber ich lasse mir nichts wegen irgendwelchen Menschen in Gremien verbieten.

Du konntest dein letztes Album „Narben“ in den Top 10 platzieren, das letzte Ruffiction Album sogar auf Platz 3, was für diese expliziten Horrorcore Inhalte doch schon recht selten ist. Hat dich das selbst überrascht?

Naja, was heißt überrascht. Wir sind seit 2014 jetzt mit jedem Album stabil in den Charts. 21,9,10,3. Da ist das irgendwo einfach nur ein gesundes Wachstum was sich bei uns zeigt. Wir hatten ja nie einen Hype oder Song der richtig durch die Decke gegangen ist. Wir haben uns die Unterstützung der Leute erspielt. Wer offen für die Musik ist, der liebt uns, wer kein Bock auf sowas hat findet uns scheiße. Das ist auch ok so. Aber die Fans stehen uns seit Jahren loyal zur Seite, das haben auch nicht viele Leute.

Würdest du sagen, dass Horrorcore basierter Rap aktuell einen kleinen Hype erlebt? Ich erinnere mich noch Zeiten so 2008-2012 herum, da war das ganze Ding noch echt klein und nicht wirklich in der Szene etabliert und mehr in Online-Foren ein Thema.

Nein, es gibt ja eigentlich in Deutschland keine neuen Künstler, die sich das Horrorcore Ding auf die Fahne schreiben. Zu Zeiten von den ersten beiden Eminem Alben war das schon akzeptierter oder angesagter. Wenn man überlegt, dass selbst auf Dynamite Soundsystem ein Stalking Horrorcore Song drauf war ist das schon lustig. Viele verstehen ja auch gar nicht was Horrorcore Ansicht bedeutet. Da wird erstmal an Dämonen und so ein Quatsch gedacht. Es gibt immer wieder Künstler die hier und da in der Tradition von Three Six, Eminem oder allgemein dem Memphis Sound hochkommen wie Tyler the Creator, die Suicide Boys und gerade viele neue Künstler die sich stark mit Selbsthass, etc. befassen. Auch das ist im Endeffekt ein Teil von Horrorcore. Aber zum Beispiel Tyler hat sich immer davon distanziert Horrorcore Künstler zu sein wobei er grade zu Anfangszeiten sich da schon sehr bedient hat. Es würde mich freuen, wenn es in Deutschland mal wieder mehr Sound in die Richtung geben würde. Gute Hip-Hop Beats mit harten, sehr gut gerappten Lines. Die Zombiez haben es ja auch vorgemacht wie geil neuer Sound mit hartem Inhalt in Deutschland funktionieren kann. Was du glaube ich meinst ist, dass es mehr große Acts gibt, die den Einfluss auf die ein oder andere Art zeigen. Das Casper Video zu lang lebe der Tod z.b. Ist ja auch super düster, wenn Tarek auf einem Kiz n brotha Lynch Hung Song covert, das sind alles Horrorcore Einflüsse. Es gibt natürlich auch immer noch Legenden wie Basstard, Blokk, Schwartz und ein paar andere die ihrem Stil und dem Horrorcore bzw. Psychocore seit Jahren treu bleiben bzw. als erster gemacht haben. Die Jungs könnten auch Schlagersongs machen und wären trotzdem noch Horrorcore. Einfach aufgrund ihrer Legacy.

Was hörst du eigentlich selbst für Musik privat? Gibt es da auch starke Kontraste zu der Musik, die du und deine Crew machen?

Früher habe ich hauptsächlich Straßen und Gangsterrap gehört. Mittlerweile ist deutscher Rap mir seit ein paar Jahren zu langweilig geworden mit ein paar Ausnahmen. Es gibt vieles was ich gerne höre und keinerlei harten Background hat. Während den Arbeiten zu Narben habe ich viel Rammstein gehört, während Ausnahmezustand habe ich endlich den Zugang zu Slipknot gefunden. Im Grunde höre ich was mir gefällt. Aber die große Liebe ist und bleibt dann doch Horrorcore. Ich habe zum Beispiel vor kurzem erst G-mo skee richtig wahrgenommen, der in mir richtig dieses Verlangen zu schreiben geweckt hat.

Und da wir hier bei HeckMeck.tv sind: Gibt es einen Trend oder etwas im Hiphop, dass du absolut beschissen findest? Was geht dir auf den Sack?

Deutscher Rap ist leider super langweilig geworden. Es klingt einfach alles gleich. Wenn man mal bei Spotify durch die Playlisten skipped ist das unerträglich. Wenn man dann sieht wie erfolgreich das dann auch ist Kratz ich mir schon öfter am Kopf. Ich würde mir wünschen, dass es einfach eine größere Plattform gibt, die den härteren Rap stattfinden lässt. Ich finde Rap sollte einfach nicht langweilig sein.

Du bist deinem Style in den letzten 12 Jahren treu geblieben und hast ihn deutlich weiterentwickelt. Hands on, hast du schon mal überlegt, etwas mehr in den Mainstream zu rücken?

Ganz am Anfang der Arbeiten zu Ausnahmezustand habe ich überlegt ob man seinen Sound vielleicht etwas massentauglicher gestalten sollte. Ich habe dann auch 1,2 Skizzen angefangen mit Beats wo ich dachte das könnte ganz gut ankommen. Ich habe die Dinger aufgenommen und danach Wochen nicht mehr gehört. Die Jungs hatten auch keine Parts dazu. Irgendwann habe ich die einfach weggeschmissen. Dann habe ich einfach nur noch das gepickt wo ich sofort Bock zu schreiben oder eine Idee von dem Song hatte, so wie es sonst auch immer war. Ab dem Moment lief es einfach wieder richtig rund. Da war mir klar, dass wir uns nicht an anderen orientieren müssen, weil das einfach nicht unser Ding ist. Wir haben unseren eigenen Sound und das einzige was an uns liegt ist unseren Sound weiter durchzuziehen und daran arbeiten, dass es so gut wird wie geht. Und im Endeffekt kam das Album so gut an wie noch nie. Es kamen neue Leute dazu und auch diejenigen die schon lange dabei sind waren begeistert. Im Endeffekt ist ein eigener Style und Sound das wichtigste was du als Künstler haben kannst. Jeder kann seinen Style anpassen und immer das machen was grade angesagt ist. Aber wenn nur du eine bestimmte Art von Rap liefern kannst, dann wirst du für jeden der diesen Sound mag immer etwas Besonderes sein.

Kommen wir zu deinem kommenden Tape „Panzerband und billiges Crack“. Wie unterscheidet sich das Projekt von den vorherigen Releases? Was hast du anders gemacht?

Da muss ich etwas ausholen. Ich habe 2016 mein letztes Solo Album Narben rausgebracht was ein Konzeptalbum über den Werdegang und die Hintergründe eines Mörders war. Hierbei wurde im Album, dem dazu gehörigen Hörbuch und in einer interaktiven Jagd zu den Videos die Geschichte erzählt. Dieses Album ist von Anfang bis Ende aufeinander aufbauend, manche Sachen drehen sich nach dem ersten hören auf den Kopf oder man versteht Anspielungen erst später. Wir haben mit den Fans zusammen eine Schnitzeljagd veranstaltet um die Videos freizuschalten die bisher einzigartig in Deutschland, wenn nicht weltweit war. Kurz, dieses Album war ein Mammut Projekt, dass diese Art an Musik für mich auf so ein Level gebracht hat, dass ich mich da nicht wiederholen will und es wahrscheinlich auch nicht nochmal könnte. Nur eine Woche nach der Narben Tour hatte ich den ersten Studiotermin fürs nächste Ruffiction Album. Da begann dann eine anderthalb Jahre andauernde Produktionsphase. Nach der Ausnahmezustand Tour bin ich erstmal in ein tiefes Loch gefallen, weil ich gefühlt das erste Mal seit 2-3 Jahren vor dem Nichts stand künstlerisch. Gerade weil ich wusste, dass ich Narben und die ganze Serienmörder Story nicht weiterführen möchte. Nachdem ich mich Kopfmäßig wieder ein bisschen erholt hatte und alles nicht mehr ganz so schwarz aussah habe ich dann auch einen Punkt gefunden an dem ich mich einfach an einen Beat gesetzt hab und so halb freestylend vor dem Mikrofon anderthalb Parts und die Hook aufgenommen habe. Ab dem Moment ging dann alles wieder wie von selbst. Beats von Produzenten bekommen, geschrieben, aufgenommen, nächster. Ich habe mich mal komplett freigemacht von dem Druck, den man sich selbst macht mit so einem Projekt. Einfach richtig asoziale Sachen schreiben und Spaß haben. So sind 9 Songs entstanden. Nichts davon ist lang geplant oder durchdacht, sondern eine Momentaufnahme aus diesem Sommer als es draußen 40 Grad waren und ich für ein paar Wochen nichts anderes im Kopf hatte als rappen und Lines schreiben. Ich wollte den Leuten dann so schnell wie es geht ohne Qualitätsverlust die Songs raushauen.

In deinem Pressetext steht „Keine Musik für die Charts, sondern der Soundtrack für den Hochsicherheitstrakt“. Hast du dich deshalb auch bei diesem Release gegen dieses Boxen-Game entschieden?

Pass auf, eine Box zu machen ist einfach ein Aufwand, der die Produktion um Monate nach hinten gezogen hätte. Außerdem hätte es dem Projekt die Leichtigkeit genommen, die ich daran so genieße. Keine 5 Monate Vorverkauf-Struggle und jede Woche gucken wie viel man verkauft hat, keine Nervenzusammenbrüche, wenn ein Video kam was 5000€ gekostet hat und keine weiteren Boxen verkauft wurden. Der Grundgedanke ist einfach wieder auf eine entspannte Art Musik zu veröffentlichen wie es vor 2014 war. Hier in anderthalb Monaten kommt die Platte, wir haben eine limitierte Auflage die wahrscheinlich nach einer Woche weg ist, Leute, die bock haben können sich ein Shirt dazu bestellen. Damit habe ich den finanziellen Freiraum Mixing, Master, Produzenten und Videos zu bezahlen. Also für die Hörer gibt’s gewohnt Musik ohne Abstriche, für mich bleibt der monatelange Kopffick aus und am Ende haben hoffentlich alle genauso viel Spaß mit der Platte wie ich es beim Schreiben und aufnehmen hatte.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.

Frage für die Leser: Was ist der Unterschied zwischen einer Kartoffel und deiner Schwester?

 

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