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Und jetzt ist es wirklich passiert: Unter dem Namen 1982 veröffentlichten zwei der ganz Großen ihr lang gefordertes Kollaboalbum. Zwei Rapper die unterschiedlicher aber auch ähnlicher kaum sein könnten. Beide kämpften sich von den winzigsten Jams des Landes hoch zu Goldplatten, Radiohits und erfolgreichen Touren. Während Casper immer ein Musiknerd blieb, der den Anspruch zu verfolgen schien kein Album auch nur ähnlich dem Vorgängerrelease klingen zu lassen, entwickelte sich Marteria (sein maskiertes Kiffer-Alter-Ego mal ausgenommen) mit leicht verdaulichen Melodien und vielen Gesangshooks zu einer Art klassischem Popstar. Vorbei die Zeiten, als man zusammen vor weniger als 100 Mann spielte. Heute füllt jeder für sich alleine schon große Hallen, spielt als Festivalheadliner und verkauft mehr Alben, als sie es wohl je zu träumen gewagt hätten und man muss neidlos anerkennen: Das haben sie sich verdient!

1982 erinnert an ein Checklisten-Album

Das Problem von 1982 liegt wohl am ehesten darin, dass beim Hören ein Gefühl aufkommt, die beiden hätten mit Checklisten gearbeitet. Jeder Song widmet sich einer eigenen Facette von HipHop, was dann leider zu Momenten führt in denen zwei Mitdreißiger versuchen den vertrippten Musikentwurf 19-jähriger Drogenopfer aus Südstaatenghettos zu adaptieren. Bei aller Liebe für zeitgemäßen Sound, aber NEIN. Pfui. Schluss damit, ihr seid schon erwachsen. Wohl leider zu erwachsen, denn die weichgespülte Popnummer samt Gesangseinlagen findet sich auf 1982 ebenfalls. Fehlen noch der Song zum abgehen, die klassische Rapnummer und einiges an Füllmaterial. Wenigstens konnten sie sich den Afrotrap-Song verkneifen. Versteht mich nicht falsch: 1982 ist keineswegs ein schlechtes Album und man hört auch heraus, dass die beiden viel Spaß beim Entwickeln der Songs hatten. Ich bin aber fast schon überzeugt, dass irgendwo in einem Studio ein weißer A4 Zettel hängt, auf dem in Form einer Checkliste steht, welche Songs die Platte braucht und leider höre ich auch das heraus.

 

Foto: Christian Hedel