6. Dezember 2019
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Wie Juju und Henning May das Gefühl der Generation „Beziehungsunfähig“ einfangen

Wie Juju und Henning May das Gefühl der Generation „Beziehungsunfähig“ einfangen

Fotoquelle: Stefan Brending / Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-3.0 de
 
Summary:

Das Duett von Juju und Henning May ist die Herzschmerz-Ballade, von der wir nicht wussten, dass wir sie brauchen.

Während Content Creators Videos aufnehmen, in denen sie sich fragen ob Shirin die nächste Queen of Rap in Deutschland wird, eine Nachfolgerin von Nicki Minaj, die niemand gesucht hat, hebt Juju im Hintergrund still und leise die Krone auf und setzt sie sich aufs schöne Haupt. Nach dem Spotify-Beef mit Shindy ist von Shirin nämlich nicht mehr viel zu hören. Juju dagegen haut eine Single nach der nächsten raus, die Rap-Deutschland immer wieder zu überraschen weiß.

Ihr neuester Streich: „Vermissen“ mit Henning May. Schon vor dem ersten Hören hat man das Gefühl, dass das nur gut sein kann. Ein musikalischer Coup, der so eigentlich nur von großen Plattenbossen und einem Team aus fünf Songwritern in monatelanger Planung entstehen könnte. Tatsächlich hat Juju selbst Henning angefragt, ob er Bock hätte, da dem fertig geschriebenen Song eine männliche Stimme gefehlt hat.

Rap kuschelt mit Pop

Dass sich hier zwei Künstler gefunden haben, die von einander profitieren hört man dem Song spätestens an, wenn Henning in der Hook einsetzt. Der berüchtigte raue Bass des Annemaykantereit-Frontmanns ergänzt sich gänsehaut-erregend mit Jujus leicht näselnder Balladenstimme. Die Grenzen zwischen Hiphop und Pop sind abgebaut. Seit Jahren verschwimmen sie immer mehr und eventuell hat die Liasion zwischen Dieter Bohlen und Capital Bra dem ganzen den Rest gegeben. Das Ergebnis hier ist aber unweit ästhetischer.

Nebenbei treffen sie das angepeilte Thema wie die Faust aufs Auge. Besser hat über das Gefühl des Vermissens niemand mehr gesungen seit Tom DeLonge und Mark Hoppus sich für die Emo-Hymne „I Miss You“ an die Mikros wagten. In Zeiten in denen Beziehungen auf Whatsapp und Intagram stattfinden und das monogame Model an der Generation beziehungsunfähig zerbricht, treffen die Zeilen von Juju und Henning direkt ins Mark.

Ich bin grade so krass zerrissen – soll ich dir einfach wieder schreiben oder nicht?

Triefende Metaphern oder verkopftes Storytelling ist dabei nicht nötig. Man fragt sich unweigerlich wie viele männliche Hörer sich von Henning May’s „Feigling“ ertappt fühlen.

Ich hab‘ dich gehen lassen wie ’n Feigling
Und ich wart‘ auf ein Signal und noch ein letztes Mal, doch das ändert nichts
Denn mir ist klar, es wird nie mehr, wie es war
Es ist nachts, ich bin wach und ich denk‘ an dich

Weniger Bling Bling, mehr Verletzlichkeit

Diese Resonanz findet man auch unter dem offiziellen Video. Mittlerweile ist der Song eine Woche online und hat fast 5 Millionen Klicks auf YouTube. Die Kommentarspalte bringt es auf den Punkt:

Die Hörer auf YouTube trifft der Track mitten ins Herz
Besser hätten wir es selbst nicht auf den Punkt bringen können

 

Mit „Intro“ hat sie bewiesen, dass sie rappen kann. Mit „Vermissen“ beweist uns Juju, dass sie singen kann. Vermutlich wird uns ihr Album, das Ende Mai erscheint, zeigen, dass sie nichts mehr zu beweisen hat.

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