26. Mai 2019
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Shindy: Der einzige Gewinner des EGJ-Kriegs
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Shindy: Der einzige Gewinner des EGJ-Kriegs

 

Shindy hatte schon immer seine ganz eigene Vision. Er ist dieser Typ Rapper, der beim Musik machen ganz genau weiß, wie sein nächstes Album klingen soll, folgt einem ganz klaren Ziel und probiert seine Vision in der Musik und dem Sound selbst umzusetzen. Dabei weiß er seinen Charakter und die Figur Shindy perfekt zu inszenieren. Ich würde schon fast darauf wetten, dass er bereits einen Plan hat, wie sein übernächstes Album klingen soll. Angefangen bei seinem Debüt unter Bushido: “NWA” demonstrierte schon damals eindrucksvoll, wo die Reise hingehen soll. Diesen arroganten, aber detailverliebten Sound konnte er über die Jahre stets weiterentwickeln, während gefühlt jeder 14-jährige auf den Straßen aussehen wollte wie Shindy und sogar seinen Haarschnitt kopierte. Während Shindys Zeit bei EGJ wurden Fans nahezu verwöhnt mit neuer Musik, denn jedes Jahr erschien konstant ein Soloalbum des Rappers, bis es zum großen Streit zwischen Bushido und Arafat kam. Die genauen Vertragsverhältnisse von Shindy wird wohl kaum einer kennen, allerdings kam es zwischen den beiden Streithähnen zu einer Art Kampf um Shindy: Zwei frisch geschiedene Elternteile wollten das alleinige Sorgerecht für den Sohn, jahrelang konnte man deshalb auch keine neue Musik von ihm hören, denn die laufenden Verträge und der Disput machten ihm vorerst das Leben schwer. Am Ende kam es, wie es kommen musste: Shindy entschied sich sowohl gegen Arafat als auch gegen Bushido und gründete sein eigenes Label “Friends with Money”. Wenn zwei sich streiten… Ihr wisst, was ich meine. Denn der einzige Gewinner dieser Sache ist ganz klar Shindy selbst. Beeindruckend, dass man dieses Fazit bereits nach nur zwei veröffentlichten Videos ziehen kann: Während Arafat nun mit eigenem Label samt Ali Bumaye und Laas Unltd. probiert, weiterhin Erfolge zu feiern ist Bushido mal wieder ganz allein, denn sowohl seine Signings als auch seine Freunde und Beschützer haben sich gegen ihn gewendet. Es ist wohl auch eine gewisse Ironie des Schicksals, dass man “Leben und Tod des Kenneth Glöckler”, den erfolgreichsten Disstrack im Deutschrap mittlerweile 1 zu 1 gegen ihn verwenden kann. Schade, dass solche Themen am Ende gegen die Musik gewonnen haben. Ich denke, die Story müssen wir nicht weiterhin ausführen.

Shindys Comeback, nach über zwei Jahren ohne musikalischen Output hätte man sich auch kaum besser ausmalen können: Trotz neuem Kanal ohne Abonnenten wenig Promovorlauf erreichte seine Debütsingle “Dodi” binnen weniger Stunden über eine Millionen Klicks und kratzt heute bereits an den 10 Millionen Aufrufen. Was man nun bei seinem zweiten Video deutlich hören konnte: Er fühlt sich freier. Niemand mehr über ihm, der etwas zu sagen hat. Nun bestimmt Shindy ganz allein, wo sein Weg hinführen soll. Um es in seinen Worten zu sagen:

Ich hab’ gewartet wie ein kleines Kind am Zebrastreifen
Weil ich dacht’, so Business-Sachen sind wie Wissenschaften
Bis ich verstanden hab’: Ich muss nur ein paar Schritte machen
Und endlich alle andern sich nach mir richten lassen

Shindy – Road2goat

Es braucht keine peinlichen Videoansagen und Interviews, keine großen Aussagen und Statements gegen Bushido und Arafat, keinen Promomove, in dem das Thema nun ein zehntes Mal hochgeaschaukelt wird. Nun kann Shindy seine eigenen Visionen noch besser und klarer umsetzen – von den Videos bis hin zu den Produktionen, vom Albumcover bis hin zu allen Features und den geschäftlichen Aspekten, das letzte Wort hat ab sofort er. Und genau das war der richtige Schritt für seine weitere Karriere, frei von all dem Deutschrap-Trash – einfach nur noch Musik machen. Der einzige Gewinner des Beefs.

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Geschrieben von
kollin
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