6. Dezember 2019
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Mikesh im Profil – Der nächste DLTLLY-Titelcontender

Mikesh im Profil – Der nächste DLTLLY-Titelcontender

Fotoquelle: Foto mit freundlicher Genehmigung von Eikaetschja
 

1997 wurde Mikesh in Hamburg geboren. Aufgewachsen zwischen Sternschanze und St. Pauli kam es schnell zur HipHop-Sozialisierung: Über die Hamburger Legenden ging er den Weg zu Mobb Deep und Eminem, den so viele Rapper dieser Generation gegangen sind. Kurz nach seinem Schulabschluss wurde er, während er in einer Kantine arbeitete und ehrenamtlich Flüchtlingen half von Modelagenten angesprochen und lernte daraufhin eine Welt kennen, die ihm bis dahin völlig unbekannt war.

War ganz geil am Abend zugekoksten C-Promis Mode zu präsentieren und am nächsten Morgen wieder mit den Kollegen Hühner auszuweiden und Gurken zu schälen.

Der Weg führte den 18-Jährigen über die Fashion Week Paris nach London und Mailand, wo er die nächsten Monate verbrachte. Nach dem Entschluss, das Modellleben nicht hauptberuflich führen zu wollen, zog es Mikesh in die Welt hinaus und so lebte er kurzzeitig in Mexiko, in Costa Rica, London, Berlin und seiner Geburtsstadt Hamburg. Zusätzlich zu gelegentlichen Modeljobs verdiente er seinen Lebensunterhalt zeitweise als Journalist, Kindergärtner und Lehrer für Englisch, Deutsch und Spanisch.

Der erste Kontakt zu Battlerap war schon lange vor dieser Zeit: Fard vs Bendt bei Feuer über Deutschland 2 war das Battle, von dem Mikesh angefixt wurde. Danach durchkämmte er das Internet nach allem, was es aus diesem Bereich gibt. Die lange Dürrephase nach Feuer über Deutschland 3 sorgte dafür, dass sich sein Focus wieder vom Battlerap entfernte, bis zum legendären Auftritt von Laas Unltd in der BMCL. Schnell war die Begeisterung wieder geweckt und Mikesh verfolgte das Geschehen in der Szene erst nur aus Fan-Perspektive, bis er sich entschied, etwas beitragen zu wollen. Motiviert von Battles voller Chokes und Slip-Ups verfasste er also seine Bewerbung für Du und deine Lines.

Meine primäre Intention war, Rappern die ich nicht mochte das auch zu sagen und vielleicht zu bewirken, dass sie nicht mehr auftreten. Also eher Selbstjustiz eines Fans. Aber irgendwann haben sich Dinge ergeben, die ich nie für möglich gehalten habe als ich damals die Nachricht an Du und deine Lines geschrieben habe.

Die Faszination im Battlerap sieht Mikesh weniger im sportlichen Gedanken, sondern in erster Linie darin, kein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen und komplett frei entscheiden zu können, was er innerhalb des Zeitlimits sagt und tut. Darüber hinaus genießt er das ehrliche Feedback und den Druck sich selbst regelmäßig steigern zu müssen.

Du kannst 10 Jahre lang ein schlechter Poetry-Slammer sein und das nette Publikum wird immer klatschen und du wirst nie merken, dass du scheiße bist. Wenn du als Battlerapper scheiße bist, kannst du das genau 1-2 Battles machen und wenn du einen guten Gegner hast wirst du dann dermaßen zerpflückt, dass du entweder besser wirst oder aufhören musst.

Seine Karriere startete also beim Newcomer-Format Du und deine Lines, wo er unter realsten Bedingungen im Freien, vor der sichtlich frierenden Crowd von weniger als 50 Mann, gegen MSK antrat und diesen auch ganz klar in den Schatten stellte. Sein einzigartiger Stil zeichnete sich in diesem Battle bereits ab und wurde auch in der zweiten Begegnung (diesmal gegen Andres) weitergeführt. Zwei Battles, zwei mal abgeliefert – Zeit also für sein DLTLLY-Debüt.

Bei DLTLLY ging es für ihn natürlich nicht direkt gegen die Großen der Szene und so arbeitete Mikesh sich erst ganz klassisch hoch. Nach einer Niederlage im Auftakt gegen den Tuncman war unklar wie es weiter gehen sollte. Mikesh ließ sich zum Glück nicht beirren und lieferte in den folgenden Battles gegen Wandelbarz, Akanoo und Indoor Stan durchgehend ab, verfeinerte seinen Stil und etablierte seine spezielle Art der Performance. Er schmettert bis heute seinen Gegner laut und mit viel Druck in der Stimme die Parts entgegen, betont jede Silbe extrem deutlich und zeigt auch stets sein Gespür für Pausensetzung an den richtigen Stellen. Vor Allem im Battle gegen Akanoo sieht Mikesh selbst eine seiner bisher besten Leistungen, was er nicht zuletzt auf die persönliche Abneigung gegen die Kunstfigur des Gegners zurückführt.

Ich bin der Überzeugung, dass man in Battles, wo es nur um Worte geht, den Worten Zeit lassen muss um sich zu entfalten. Jemand der sich schnell durch seine Texte haspelt kann zwar eine vorübergehende Dynamik erzeugen, aber es ist für solche Leute sehr schwer eine gewisse Atmosphäre zu erschaffen.

Dann war es so weit: DLTLLY feierte 5. Geburtstag und Mikesh trat im Rahmen des Events gegen seinen ersten großen Gegner an. Der bis dahin ungeschlagene Papi Schlauch ging als klarer Favorit ins Battle und zeigte auch eine gewohnt starke Leistung, dennoch wurde schon in der zweiten Runde klar, dass Mikesh den Kreis als Sieger verlassen wird. Spätestens an der Stelle, als er nach Luft schnappend von seinen Lungenproblemen erzählte und mit seinen Worten Bilder in die Köpfe der Crowd brannte, war allen klar, dass sie Zeuge eines großen Battles wurden. Die Aasgeier-Metapher ist und bleibt für alle Fans wohl ein Battlerap-Moment für die Ewigkeit und so steht am Ende ein Battle, das Mikesh bei der kompletten Szene aufs Radar brachte und gemeinhin als Startschuss für einen Generationenwechsel innerhalb der Szene interpretiert wurde.  Als nächster Gegner stand mit Robscure gleich ein weiteres Urgestein auf dem Programm. Hier wurde Mikesh richtig persönlich, entblößte seinen Kontrahenten als Battle-MC wie auch als Privatperson und zeigte in seinem Finalen Part endgültig, dass er zu den Top Rappern der Liga gehört.

„Ein Rapper muss mal verlieren damit die Heads ihn schätzen. Sonst nennen sie es nicht Leistung, sondern Hype.“ In seinem jüngsten Battle gegen Bong Teggy, den Mikesh aus heutiger Sicht als seinen schwersten Gegner beschreibt, fiel diese Line und genauso ist es wohl auch. Er konnte sich zwar nicht gegen den taktisch schwer zu packenden, an diesem Tag in Höchstform rappenden Bong Teggy behaupten, brachte aber dennoch gut durchdachte Angles und verließ das Battle trotz 5:0 Niederlage erhobenen Hauptes und mit solider Leistung, so dass wohl niemand mehr Zweifel daran haben dürfte, dass Mikesh im September völlig zurecht ins Titelmatch geht.

Bong Teggy als Kunstfigur ist halt sehr schwierig zu greifen. Du kannst ihn technisch auch nicht imitieren und er lebt sehr vom verkörpern und der Imitation anderer Charaktere. Das als Punchline war zwar gut, aber das kann man nicht über eine komplette Runde strecken.

 

Ab sofort gibts hier jeden Donnerstag einen neuen Battlerapper im Profil!

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