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Hi Merlin! Mit deiner “Battlerap Bundesliga” hat Battlerap in NRW eine neue Heimat gefunden. Woher kam die Inspiration, so etwas ins Leben zu rufen?

Ich mache Battlerap, seit ich 14 bin, das sind jetzt 16 Jahre. Früher habe ich viele Freestyle-Battles gemacht und sogar noch vor „Feuer über Deutschland“ Smack-DVDs oder alte Dipset-Battles aus dem Central Parc angeguckt. Da ging es immer um einen Batzen Geld, aber es gab keine Jury, weil jeder wusste, wer gewonnen hat. Damals dachte ich mir schon, dass das auf Deutsch ziemlich cool wäre und mit meinem Kollegen Jack Dragon öfter mal darüber nachgedacht, eine eigene Liga ins Leben zu rufen. Plötzlich ging es dann aber wieder privat drunter und drüber und so hat sich das immer weiter rausgezögert.

Also existierte die Idee noch vor der Gründung der ersten deutschen Battlerap-Liga überhaupt?

Ja. 2012 war es mal fast so weit, dann ging aber wieder extrem viel schief und am Ende war es einfach finanziell nicht möglich. Dann stand ich erstmal blöd da. Als ich mich dann aber wieder aufgerappelt hatte und auch selbst wieder gebattled habe, habe ich es einfach durchgezogen.

Wie ist es dazu gekommen, das Ganze zuerst in Moers stattfinden zu lassen? Klingt ja erstmal nicht nach einer klassischen HipHop-Hochburg.

Eigentlich nicht. Aber es gab schon vor 15 Jahren Freestyle-Rap-Veranstaltungen in demselben Laden, dem Arrata. Da hatte ich also noch nostalgische Erinnerungen dran. Außerdem hab‘ ich zwischendrin selbst eine Zeitlang keine Battles gemacht, aber da irgendwann mal just for fun nochmal an einem Turnier teilgenommen – und gewonnen. So hab‘ ich nochmal Blut geleckt. Am Anfang standen mir auch nicht so krasse Mittel zur Verfügung, ich kannte aber die Leute dort alle und so kams dann schließlich zur BRB in Moers.

Nach Moers bist du jetzt zum zweiten Mal hintereinander in Dortmund mit einem Event. Ist der Plan, mit der Liga quer durch NRW zu touren?

Genau, das ist der Wunschgedanke. Erstmal hier in Dortmund noch ein, zwei Events und danach die ganzen anderen Städte. Duisburg, Düsseldorf, Oberhausen, Köln… ich will alles mitgenommen haben.

Warum glaubst du, dass die HipHop-Medien nur so unregelmäßig über Battlerap berichten? Es kocht zwar immer mal hoch, dann liegt das Thema aber wieder lange brach.

Das ist ‘ne gute Frage. Vielleicht liegt es daran, dass Battlerap noch nicht das krasse kommerzielle Geschäft ist. Es ist halt immer noch eine Nische und nicht das daily Business wie YouTube-Trackreleases. Ich könnte mir vorstellen, dass es daran liegt.

Kommen denn dafür Non-HipHop-Medien? Also Lokalzeitungen und Ähnliches?

Öfters. Ich hatte auf 90% der Veranstaltungen Presse da, wir schreiben auch immer Pressetexte vorher und schicken die raus. Das ist immer äußerst komisch und amüsant, weil das ja nicht viel mit klassischem HipHop zu tun hat, wie man sich das da vielleicht vorstellt (lacht). Die verstehen das glaube ich nicht immer, aber sind auf jeden Fall interessiert.

Und wie fallen die Reaktionen dann aus? Wundern die sich, dass sich auf der Bühne Leute zum Spaß die Köpfe verbal einschlagen?

Es kommt ganz darauf an, wie man sich den Presseleuten gegenüber verhält. Wenn man das ordentlich erklärt und da nicht mit so ner „Fuck You“-Attitude dasitzt, dann kommen da auch Reaktionen von ehrlichem Interesse bis Begeisterung zustande. Im Regelfall sind das aber gemischte Gefühle, das ist halt für die eine komplett fremde Welt.

Nach ein paar Events Erfahrung: Wie fühlt sich das an, so eine Liga allein auf die Beine zu stellen?

Vom Arbeitsaufwand her sind es eigentlich zwei Vollzeitjobs. Macht mega viel Spaß, auch wenn es sehr zeitintensiv und kostenaufwändig ist. Man lernt total viel, es sind ja auch die ersten Veranstaltungen, die ich mache, aber es läuft immer besser. Ich freue mich einfach, Battlerap in NRW wieder ein Zuhause zu bieten, das ist ja das Grundanliegen gewesen. Es gibt so viele gute MCs, aber so wenige Anlaufstellen und diese Lücke wollte ich schließen.

Du hast eben schon angesprochen, dass es finanziell auch nicht so einfach ist…

Am Anfang haben wir regelmäßig Minus gemacht, jetzt geht es so langsam auf Null zu. Es fehlt ein bisschen Support von den Medien, es sind auch immer noch ein paar Leute zu wenig da um da den Break-Even zu schaffen, aber dafür gibt es ja auch noch die PPVs. Damit kommt man jetzt langsam in den Bereich, wo es ein geiles Hobby ist, aber noch nichts von dem man leben kann. Am wichtigsten ist der Spaß und aktuell kann ich mir nicht vorstellen, damit aufzuhören, solange es aufwärts geht. Wenn es irgendwann mal richtig profitabel würde, wäre das schön – man hat ja auf dem OLYMP Festival gesehen, was ich da noch für Spinnereien im Kopf habe. Es ist ein Geben und Nehmen: Wenn die Sache größer wird, werde ich sie noch größer machen.

Klingt, als würdest du aber auch manchmal an deine Grenzen kommen.

Es gibt bestimmt viele Leute, die die Sache am Anfang unterschätzt und dann den Kopf in den Sand gesteckt hätten. Aber ich kenne das Battlegeschäft ja schon etliche Jahre und wusste, worauf ich mich da einlasse und wie das läuft. Meine Grenzen sind da noch lange nicht erreicht.

 

 

Nochmal zum OLYMP Festival, das du bereits angesprochen hast und bislang eines der größten Battlerap-Events in Deutschland überhaupt war. Bist du zufrieden, wie die Organisation in dieser Größenordnung abgelaufen ist?

Mit dem OLYMP kann ich überhaupt nicht meckern, das war ein mega Event. Für die Umstände sogar noch ein wenig besser als erwartet. Lief zwar alles ein bisschen drunter und drüber und ist in Sachen Organisation und Strukturierung auf jeden Fall noch ausbaufähig, aber es soll ja auch nicht der letzte OLYMP gewesen sein. Ich bin zuversichtlich, dass OLYMP 2 noch eine ganze Ecke runder und schöner aussehen wird.

Besondere Aufmerksamkeit hat ja das Booking von JAW auf sich gezogen, der erstmals in ein Live-Battle gestiegen ist. Bringt es Battlerap voran, wenn man bekannte MCs einlädt?

Das kann man so und so sehen. Ich war unglaublich froh, dass ich JAW gekriegt hab‘ und ich würde auch jederzeit wieder in solche Kerben schlagen. Battlerap gewinnt da am allermeisten, weil durch deren Fans auch nochmal ganz andere Leute auf die Sache aufmerksam werden. Natürlich ist es ein Spiel mit dem Feuer, da man nicht immer Glanzleistungen von Leuten erwarten kann, die nicht in der Szene beheimatet sind.

Wie hast du JAW eigentlich dazu überredet?

Ganz einfach angeschrieben. Jotta würde aber wahrscheinlich nicht überall battlen, der ist ja allgemein für Auftritte schwer zu booken. Aber wenn man sich versteht und die gleiche Sprache spricht, kann auch sowas bei rumkommen. Da war ich echt stolz drauf und hab mich sehr gefreut.

Ganz spontan: Bühne oder Cypherkreis?

Hmmm. Freestyle-Battle auf der Bühne, Written Battle hätte ich am liebsten in so einem Halbkreis um die Bühne herum, sodass die MCs leicht erhöht und freihändig performen können. Ich versuche mich da ein bisschen, an den URL-Battles aus Amerika zu orientieren. Ich selber komme ja aus dieser Generation, wo alles mit Mikrofon gemacht wurde, da es ja nur Freestyle-Battles auf Beat gab, daher fühlt sich das alles noch ein bisschen vertrauter an.

Glaubst du, es könnte bald zu einer Übersättigung oder einem Konkurrenzkampf kommen, jetzt wo es schon drei große Battle-Ligen gibt?

Für mich gibt es da überhaupt keine Konkurrenz. Tierstar würde ich sogar als guten Freund bezeichnen und mit Jamie und Hanno verstehe ich mich auch super. Es gibt genug MCs und meiner Meinung nach sogar Platz für noch mehr Plattformen. Das Wichtigste ist, dass man Nachwuchsarbeit betreibt und sich der Kreis immer noch erweitert. Kleinigkeiten passieren natürlich trotzdem, wenn man sich bei Bookings in die Quere kommt und ein Rapper kurz hintereinander bei beiden Plattformen battled. Meiner Meinung nach sollten aber alle Ligen an einem Strang ziehen, von einer Lagerbildung distanziere ich mich komplett.

Und in welche Richtung wird sich Battlerap deiner Meinung nach in Zukunft entwickeln?

Das ist ganz davon abhängig, was die Leute und die Medien daraus machen. Für alle Veranstalter ist Battlerap natürlich immer mit einem Risiko verbunden, aber ich bin bereit, eine Menge dafür zu geben. Das Ganze kann noch deutlich größer werden und ich selber hab auch noch ein paar absurde Sachen vor (lacht).

 

 

Autor: Friedrich Stf.