19. Oktober 2019
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Eunique im Interview: „Ich rappe einfach über das was in meinem Leben passiert“

Eunique im Interview: „Ich rappe einfach über das was in meinem Leben passiert“

Fotoquelle: Screenshot Youtube
 

Hallo Eunique, wie geht’s?

Alles gut, danke.

Dein Debütalbum liegt jetzt knapp 9 Monate zurück. Wie zufrieden bist Du aus heutiger Sicht?

Ich bin jetzt noch viel zufriedener als kurz nach Release. Ich hab mir da so viele Gedanken gemacht und so viel Energie reingesteckt. Dann kam das Album raus und ich konnte endlich sehen, wie die Leute es aufnehmen. Im Sommer kamen dann ein paar Festivals dazu, wo ich erstmals Live gesehen hab, wie jemand auf meine Songs abgeht und heute hör ich es ganz anders und feier Songs, die ich vor einem halben Jahr bei weitem nicht so sehr gefeiert hab.

Welche Songs genau?

„Lass es regnen“ zum Beispiel. Da hab ich ein ganz anderes Hörerlebnis und es fühlt sich an, als hätte ich den Song gar nicht selbst gemacht.

Bei becoming Eunique bekam man sehr gut Einblick in deine Arbeitsweise und die Albumentstehung. In einer Episode wurde das Covershooting gezeigt. Du warst ja halbnackt beim Shooting. Warum seid ihr dazu raus gegangen? Die Fotos hätte man ja auch in einem Raum machen können und hätte nicht oben Ohne durch die Stadt laufen müssen.

Das stimmt!(lacht) Wir wollten das aber eigentlich im Wald machen und sind eben kreative Leute, also sind wir einfach raus gegangen und haben uns inspirieren lassen. Ich hab da auch keine Berührungsängste hinsichtlich Free the Nipples und geh dann halt auch einfach raus und shoote.

Als dir die Farbe übers Gesicht gegossen wurde, wie unangenehm war das?

Das war tatsächlich das Unangenehmste auf diesem Planeten. Ich hatte da eine Kontaktlinse drinnen, die sich verschoben hat, also ist die Farbe in mein Auge geflossen und ich war praktisch blind. Mein ganzes Auge war nur noch Silber und Michael schreit in dem Video auch die ganze Zeit „Halte durch! Ich hab ihn noch nicht! Ich hab ihn noch nicht! Du musst durchhalten!“

Apropos unangenehm. Auf „Wer ist so nice?“ sagst Du, dass Du deine Leggings immer eine Nummer zu klein kaufst. Ich trage zwar keine Leggings, stelle mir das aber ganz und gar nicht bequem vor. Ist es das wert?

Ich kauf immer die kleinste Größe, weil Leggings durch das Waschen sehr schnell ausleiern und dann scheiße aussehen. Darum sind engere Leggings einfach nicere Leggings. Ganz klar ein modisches Statement.

Wer ja auch ziemlich viel mit Mode am Hut hat ist Fler. Er wollte dich ja bekanntlich signen und hat neulich in einem Interview erwähnt, dass er dich komplett anders inszeniert hätte. Glaubst Du, dass ihr etwas falsch gemacht habt?

Am Ende des Tages bin ich jetzt da wo ich bin und auch zufrieden damit. Mein Album war erfolgreich und ich konnte mir in den letzten Monaten viel aneignen, was ich nicht gelernt hätte, wenns anders gekommen wäre. Klar hat man hier und da Dinge getan, die man nicht wieder so machen würde, aber das muss ja nichts Negatives sein, denn ohne Fehler kommt auch keine Weiterentwicklung.

Was würdest Du als größten Fehler in der Zeit bezeichnen?

Vermutlich, dass ich so wenig Zeit mit meinen Liebsten verbracht hab, aber hätte ich das nicht getan, wäre das Album jetzt nicht auf dem Niveau da, wie es geworden ist. Also auch nicht wirklich ein Fehler.

 

 

Bleiben wir noch kurz bei Fler. Vor einiger Zeit wurde er gefragt, warum es so wenig erfolgreiche Frauen im Rap gibt und meinte sinngemäß, dass eben viele keinen Bock auf Ökofeministinnen haben. Im nächsten Satz nannte er dann dich als positives Beispiel, wie eine Frau rappen sollte. Wenn man sich deine neue Doku „Meine Gang“ ansieht, wird zum Ende hin ja schon deutlich, dass Du klar feministische Motive hast. Ich hab aber noch nie gehört, dass du dich selbst als Feministin bezeichnest. Siehst du dich denn als solche?

Ich rappe einfach über das was in meinem Leben passiert, wie ich meine Umgebung wahrnehme und wie meine Umgebung mich wahrnimmt. Da gehört eben auch dazu, dass ich eine Frau bin. Darum glaube ich, dass dieser Feministen-Stempel gar nicht so zu mir passt und ich möchte den auch nicht unbedingt haben. Ich wünsch mir einfach Zusammenhalt! Wird doch auch mal Zeit oder nicht?!

Sprechen wir noch über 4 Blocks. Die Rolle passt ja so gut zu dir, dass ich mal davon ausgehe, sie wurde schon extra für dich geschrieben. Oder nicht?

Die Rolle wurde angepasst. Es gab da erst ein elektronisches Casting und dann musste ich noch zum offiziellen Casting, wo ich mich auch vorbereiten und vorspielen musste. Ich wollte da nachdem ich die erste Staffel gesehen hab auch unbedingt mit dabei sein, weil 4 Blocks ein richtig authentisches Bild zeichnet und wir mit meiner Rolle und dem drum herum auch endlich mal den Deutschrap-Film gut rüberbringen konnten. Sonst geht’s in deutschen Filmen immer in den HipHop-Club und da steht der Typ mit den komischen Klamotten und sagt mit witziger Stimme „Ey Yo was geht!?“ Es hat einfach richtig Spaß gemacht, da einen Gegenentwurf darzustellen.

Hättest du auch eine andere Rolle gespielt, die dir selbst nicht so sehr ähnelt?

Ja voll gerne sogar. So war es ja zwischendurch immer wirklich schwer, weil ich an Eunique denken musste, aber eigentlich bin ich ja grad Isha, aber Eunique und Isha sind doch fast dieselbe Person, aber irgendwie dann doch nicht. Das war stellenweise gar nicht so einfach.

Du würdest in Zukunft also gerne auch andere Rollen spielen?

Ja gerne!

Vor kurzem wurde auch bekannt, dass 4 Blocks bald eine internationale Übersetzung bekommt. Hast Du Angst vor deiner Synchronstimme?

Nein, gar nicht. Ich freue mich drauf in dem Bereich ein paar Erfahrungen sammeln zu können.

Du sprichst dich also selbst?

Ähm… ja, ich denke schon.

In deinem Handlungsstrang wird eine Form von Rassismus beleuchtet, die in der Öffentlichkeit wenig Beachtung findet. Meistens wird nur über Deutsche die Ausländer hassen berichtet. Dass eben unter diesen Ausländern auch nochmal so viele verschiedene Nationen, Hautfarben und Religionen zu Konflikten und Rassismus führen, wird häufig ignoriert. Woran denkst du liegt das?

Ich glaube, dass die Öffentlichkeit das einfach nicht wahrnimmt, weil die Oberschicht nicht da ist, wo es passiert. Sowas kommt Hauptsächlich in den Vierteln mit großem Ausländeranteil vor, wo kultureller Rassismus untereinander herrscht aber doch immer noch ein Zusammenhalt gegenüber einer dritten Partei, weil man trotz aller Konflikte immer noch zusammen Ausländer ist.

Was gibt’s in Zukunft von dir zu erwarten?

Also im Januar kommt meine erste Tour, die am 11.01. startet und dann geht’s weiter in Richtung nächstes Album. Das wird auf jeden Fall 2019 kommen. Ich hab ja jetzt Blut geleckt und es soll so weiter gehen.

Vielen Dank für das Interview

Danke auch.

 

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