19. August 2019
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Sorgenkind im Interview: „Es war das Geschäftliche, was es mir versaut hat.“

Sorgenkind im Interview: „Es war das Geschäftliche, was es mir versaut hat.“

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Sorgenkind veröffentlichte nach einer langen Wartezeit von fast fünf Jahren seine neue EP „Voll geil hier“. Neues Label, neues Team, alles neu. Weshalb sich die Arbeiten so gezogen haben und wie es sich anfühlt, dass erste Mal als Headliner auf Tour zu sein, erfahrt Ihr bei uns im Interview.

Hallo Sorgenkind. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Wie geht es dir?

Ja geil, also wirklich geil. Die EP kam raus, die Singles sind draußen und in Spotify-Listen und wir sind auf Tour. Tatsächlich mal wieder richtig geil.

Apropos: Du bist auch in der relevantesten Deutschrap-Playlist, nämlich der von Heckmeck.TV.

Ja man – das habe ich gesehen. Die garantiert Shisha-Freie Playlist. Vielen Dank.

Während wir gerade telefonieren bist du auf deiner ersten Solotour – Wie fühlt sich das an? Ist das sowas wie ein Lifegoal, welches du erreicht hast?

Ja, auf jeden Fall. Es kam tatsächlich so ein bisschen plötzlich, weil die Jahre davor nicht viel passiert ist. Da jetzt direkt auf Tour zu gehen ist schon ein Sprung ins kalte Wasser, aber auch ein großes Ziel gewesen. Ich war ja schon einmal mit 3Plusss auf Tour und einmal als Support dabei aber wenn man dann nochmal als Headliner allein auf Tour ist, ist das nochmal ein Stück aufregender.

Was fehlt nun noch auf der Wunschliste?

Das ist eine gute Frage – generell mal in die Charts, bzw. überhaupt mal in die Charts, das wäre was. Es muss auch nicht direkt Platz 1 sein. Um Blumentopf zu zitieren, „ich würde gerne mal Platz 80 sein“. (lacht)

Splash! ist auch häufig ein Wunsch.

Genau – der Wunsch wurde mir ja schon mit 3Plusss zusammen erfüllt. Jetzt allein war die Supportkiste bei Fanta 4 schon sehr geil und die Ganzen Festivals. Ich weiß nicht, ob meine Mucke überhaupt noch so zum Splash! passt. Ich fände es geil, aber vielleicht habe ich ein bisschen wenig Autotune am Start.

Was hast du immer dabei auf Tour? Ich packe meinen Koffer Style

Gelo Revoice – bei der Apotheke diese Heiserkeit-Bonbons. Jetzt neuerdings auch LAX VOX – kennst du das? Da packt man so ein Schlauch in einer Flasche, die halb voll mit Wasser gefüllt ist und in diesen Schlauch singt man rein und wärmt seine Stimme auf. Durch die Vibration hat das so einen Gurgel-Effekt und dadurch bekommt man einfach jede verkaterte, müde Stimme weg. Während der Fahrt einfach reinsingen, du kommst am Zielort an und bist fit. Das ist mein neues wichtigstes Stück im Koffer.

Kommen wir zur Musik: Du hast bereits 2016 die Promophase zu deinem kommenden Album mehr oder weniger gestartet mit dem Release von „Bagger und Kräne“. Nun haben wir 2019 und statt einem Album kam deine „Voll geil hier“ EP. Was ist da passiert in den letzten Jahren?

Ja, wie soll ich das erklären. Ich habe auf ein Album hingearbeitet, bzw. es gab auch schon ein Album und es gab in der Zwischenzeit auch viele Gespräche mit interessierten Geschäftsleuten, die mich dann aber ein bisschen haben warten lassen. Ich habe mich einfach zu sehr drauf eingelassen, statt zu sagen „komm scheiß drauf, bring ich es einfach raus“. Ich habe mich auf die Wartezeit eingelassen und die Gespräche haben sich irgendwann im Sand verlaufen und ich stand dann da mit einem Album, wo die Hälfte irgendwie alt war und musste mehr oder weniger nochmal neu anfangen – und dann auch nochmal neu orientieren. Es war also das Geschäftliche, was es mir dann versaut hat.

Nun bist du bei Walk this Way.

Genau! Patrick, den Chef, hatte ich früher auch schon mal kennengelernt, der war jetzt auch nicht einer der besagten Geschäftsleute und kam früher schon mal zu mir und meinte, er hat Bock. Dann haben wir gequatscht und es ging direkt los. Es ist gerade richtig erfrischend, mal Leute kennenzulernen, die das auch wirklich machen und Bock haben. Jetzt muss bisschen was aufgeholt werden und bisschen mehr Output her, damit man diese Ganze lange Wartezeit von zwei Jahren wieder glatt bügelt.

Ja – Sommerloch ist ja auch schon fünf Jahre her. Ganz schön lange Zeit zwischen den Releases.

Voll. Das tat auch weh, man stand halt zwischenzeitlich so oft davor, dass irgendwas jetzt demnächst passiert und dann ist das wieder geplatzt und man hat sich nur abhängig von anderen gemacht. Ich will das aber jetzt auch nicht auf andere schieben, denn es war auch jedes Mal die eigene Entscheidung darauf zuwarten. Jetzt im Nachhinein kann ich aber auch sagen, es bringt nichts. ich mein, klar ist es gut Optionen zu haben, aber man sollte währenddessen nicht aufhören Musik zumachen und Dinge raus zubringen.

Was genau ändert sich nun für dich mit dem Label für dich? Einfach nur mehr Kohle?

Tatsächlich finanzielle Hilfe. Ich bin halt selber auch gar nicht der Geschäftstyp und ich brauch Leute um mich herum, die Dinge regeln und auch mal den bösen Cop spielen können und einfach Ahnung haben, wie das funktioniert. Wenn du uns ins Studio setzt kommen wir hinterher mit 20 Songs raus, einmal Pop, einmal DnB einmal HipHop. Es ist ganz gut jemanden da zu haben, der eine Richtung vorgibt. Es macht halt einfach zu vieles Spaß.

Manche (Ich) hatten durch Label wirklich das Gefühl – es kamen vorab 3 melancholische Lovesongs – als würde man dich in eine Richtung lenken wollen.

Ja, klar, kann man jetzt anhand der ersten Kommentare erst mal so sehen, aber es kommen demnächst noch andere Songs raus, die das bisschen relativieren werden. Es war schon bewusst, dass die ersten 3 Songs bisschen melancholischer Pop waren, aber es wird nicht nur diese Richtung sein. Poppig war es ja auch schon immer bei mir.

Wie habt ihr die Singles ausgewählt? War das eine Team-Entscheidung mit Label?

Wir haben die dem Label vorgespielt und wir hatten selbst natürlich auch unsere Favoriten. „Um uns“ war vorher schon fertig und den hatten wir auch schon live gespielt, das Video war sogar schon fertig bevor wir das Label hatten. Dass der rauskommt war mir klar. „Punktlandung“ und „Voll geil hier“ waren unsere Favoriten und es gab noch ein paar weitere Favoriten, wo das Label auch mitgezogen hat und da kommen jetzt auch noch Singles dazu. War jetzt nicht so, dass die gesagt haben „das und das und das kommt raus“, sondern wir haben das locker besprochen.

Wie hast du an den Songs gearbeitet. Sie waren irgendwann zu alt und ihr habt beschlossen „gut, dann nochmal von vorn“?

Wir haben die erst mal ruhen lassen und uns mal Zeit genommen, eine neue Session zu machen. Einfach mal wieder neue Musik machen, in den Rhythmus reinkommen und Spaß haben. So hat sich die EP ergeben aus neuen Songs und Songs, die es schon gab, wie „Bagger und Kräne“ zum Beispiel. „Schmutz“ gab es auch vorher schon und die waren halt für uns jetzt noch zu stark. Deswegen war die EP dann so eine Hälfte aus neuen Songs und Sachen, die es vorher schon gab, wobei „Voll geil hier“ auch einer der neuen Songs ist.

Die aktuelle EP klingt vom Sound ein wenig, als wolltest du dich ein wenig von der Rap Szene entfernen und mehr in Richtung Pop gehen. Siehst du das auch so?

Schwierig, ich würde sagen, ich mach eigentlich immer noch im Großen und Ganzen dasselbe, vielleicht ein bisschen melodischer. Es haben sich einfach die Umstände drumherum geändert, deshalb ist es ein bisschen weniger HipHop. Ich habe mich da bewusst nicht abgewendet, die Dinge entwickeln sich da einfach. Es gibt ja auch noch sehr viele Untersparten. Ich habe auch gesehen, dass ich nicht mehr in den Rap Medien stattfinde, sondern eher bei Spotify in der Pop-Playlist lande. Das ist keine bewusste Entscheidung, das hat sich von alleine und von der Rap Szene aus so entwickelt.

Arbeitest Du bereits an neuen Sachen?

Ja, auf jeden Fall. aktuell bringe ich mir auch das produzieren bei.

Das letzte VBT aller Zeiten ist nun vorbei, welches Peat gewonnen hat. Hast du das ein wenig verfolgt und stimmt dich das auch n wenig traurig, dass dieser schöne Teil der Battlerap-History nun vorbei ist?

Ich habe das Finale gesehen, fand das auch ganz cool und es ist ein würdiger Abschluss. Ich glaube, ich bin da gar nicht traurig drum, sondern finde es cool, dass das jetzt so ein schönes Ende gefunden hat und nicht einfach mittendrin abgesägt wurde. So ist das an sich eine runde Sache, es hat familiär angefangen, hatte mal einen kommerziellen Push gehabt und hat familiär aufgehört. Ich habe das vorher und auch nachher gekannt und habe alles mitbekommen, für mich hat das einen natürlich Werdegang genommen.

Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.

Ich bin gerade total happy auf Tour zu sein, dass die EP draußen ist und es wird in Zukunft, auch wenn das alle Rapper gern sagen, viel mehr kommen. Ich freue mich darauf und ich freue mich auch, wenn Leute, die früher schon am Start waren, immer noch dabei sind. Vielen Dank Heckmeck.TV und allen, die das lesen. Checkt die voll geil hier EP!

Geschrieben von
kollin
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