21. Oktober 2020
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Der große Deutschrap-Jahresrückblick 2019

Der große Deutschrap-Jahresrückblick 2019

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Das Deutschrap-Jahr neigt sich dem Ende: Wir blicken daher auf einige skurrile Momente und diversen gelungenen Alben zurück.

Beim Blick auf den Kalender fragt Ihr bestimmt: „Jahresrückblick? Jetzt schon?“ Ja genau jetzt, noch bevor HipHop.de wieder in mehrstündigen Videos erzählt, warum 2019 „Das beste Deutschrapjahr ever“ war, versuchen wir hier kurz zusammenzufassen, warum das vielleicht doch nicht der Wahrheit entspricht. Zugegeben, es war nicht Alles schlecht und langweilig war 2019 schon gar nicht. Die ein oder andere nennenswerte Sache ist definitiv passiert: Man konnte beispielsweise die endgültige Verwandlung Kollegahs vom ehemals größten Rapper des Landes zum fragwürdigen Businessman verfolgen. Die geplante Alphaoffensive scheiterte an den unverschämten Ticketpreisen und die Szene war sich in ihrer Schadenfreude einig wie selten zuvor. Berichte über das Mentoring-Programm und eine Welle von Abmahnungen im Zuge dessen, schädigten den Ruf des selbsternannten Boss noch weiter. Unter Battlerap-Fans machte Kollegah sich mit dem fragwürdigen Finale seines Turniers auch keine Freunde, lediglich der eigentlich Leidtragende des Battleturniers, SSynic konnte Profit daraus ziehen: Er baute im Zuge der Juryentscheidung einen YouTbe-Kanal auf, der sich bis heute großer Beliebtheit unter Battlerap-Fans erfreut. Was macht man also, wenn man als Rapper sämtlichen Kredit bei der Szene verspielt hat? Genau! Social Media löschen und mit dem Zweiten Teil eines Klassikers versuchen sich zu rehabilitieren. Wow – innovativ. Kollegahs ehemaliger Feind Fler darf natürlich auch in keinem Jahresrückblick fehlen. Wer mit gefesselten Händen einen Polizisten als Schwanz und Fanboy beschimpft hat ohne Zweifel einen Deutschrapmoment für die Ewigkeit geschaffen. Durch diese Aktion gingen seine Kommentare zum neuen Album von Animus fast unter. Dieser nahm sich einem ehemals beliebten Rapper an und brachte mit ihm kürzlich den vierten Teil einer bekannten Reihe heraus – die Szene reagiert gespaltener als sie eigentlich sollte. Bevor wir uns jetzt weiter mit den Geschehnissen abseits der Musik aufhalten, widmen wir uns lieber den Alben des Jahres 2019:

Im Januar haben wir unsere Wunschalben für 2019 in einen Artikel gepackt. Wir wollten ein neues Album von Haftbefehl und mussten uns bis zum jetzigen Zeitpunkt nur mit schleierhaften Ankündigungsankündigungen begnügen. Wir wissen alle, dass er es bestimmt ohne Promo ganz plötzlich bringen wird, denn keine Promophase ist die neue Promophase. Warum das 2019 nachdem der Move schon 50-mal gebracht wurde immer noch nötig ist wissen wir aber nicht. Auch ein Pedaz-Album stand auf unserem Wunschzettel. Zwar hatten wir den Ruhrpotter im Podcast zu Gast und seine Songs landen regelmäßig in der Heckmeck.TV-Playlist, auf das Album warten wir aber immer noch. Wir wollten auch SSIO. Genauer gesagt wollten wir, dass er seinen Stil nicht verändert, sondern einfach nur ein kleines Stück verfeinert und genau das hat er gemacht: Die konsequente Weiterführung dessen, was wir von BBUMSEN und 0,9 schon kannten. Hätte man kaum besser machen können. Wir wollten auch neue Musik von OG Keemo, der uns 2019 mit einer EP und einem Album mehr als genug Musik geliefert hat. Von der Inszenierung der Singles bis zu den Beats der unbekannteren Songs stimmt einfach alles. Keemo zählt ohne jeden Zweifel zu den Top 3 Rappern des Jahres und scheint eine große Karriere vor sich zu haben. Ein weiterer Kandidat für das Album des Jahres stand zwar nicht auf unserer Wunschliste, hat uns aber nicht weniger überzeugt: Tuas heiß erwartetes Release ist vermutlich das Ding, worauf sich 2019 alle einigen können. Ein Rapper hat uns in diesem Jahr noch besonders überrascht und steht zurecht in unseren Jahres-Bestenlisten ganz oben: Sierra Kidd. Er schaffte es, in Zeiten, wo die Deutschrap-Charts textlich gefühlt nur noch von Drogen handeln, Kokain hier, Kokain da, ein Album zu Releasen, wo er sich komplett von jeglichen Substanzen freispricht und schilderte detailliert seine persönlichen negativen Erfahrungen in den vergangenen Jahren – ohne sich dabei in kitschigen Metaphern zu verlieren. Einfach die ungeschönte Wahrheit und Geschichten über sich selbst und seine Ängste, die der Rapper textlich und thematisch perfekt in Szene setzt. Passende Beats und das musikalische Gespür von Sierra Kidd sorgen dafür, dass trotz der anspruchsvollen Themen nie die Musik drunter leidet. Definitiv einer der Gewinner 2019.

Wir hatten jetzt die Rapper, die uns erhörten und jene die es nicht taten – fehlt noch Einer: Jener Rapper, der uns zwar erhört hat, von dem wir uns allerdings wünschten, er hätte es nicht getan. Wir wollten ein neues Album vom alten F.R. von dem F.R., der einfach nur zeigt, was für ein großartiger MC in ihm steckt, der mit Flow und Wortwitz besticht und nochmal zeigt, dass er zurecht jahrelang als Wunderkind und größte Hoffnung des Genres galt. Und was haben wir bekommen? Das halbgarste „Ich mach ja jetzt echte Musik“-Album, aller Zeiten. Danke für nichts Fabian… danke für nichts. 2019 war auch das Jahr in dem für uns persönlich ein Jugendidol seinen Status verloren hat. Stellt euch vor ihr verfolgt über fast zwei Jahrzehnte die Karriere eines Musikers, verteidigt ihn bei euren Eltern, euren Freunden, in Foren, auf Facebook, bringt ihn bei jeder Hausparty irgendwie in die Playlist, schreibt in eurem HipHop-Magazin viel positives über ihn und dann… schickt sein Anwalt Post wegen eines falschen YouTube-Links. Mehr will ich dazu nicht sagen. Es tut noch zu weh.

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