27. Juli 2021
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MC Smook im Interview: „Meine Musik sollte man nicht ironisch hören“

MC Smook im Interview: „Meine Musik sollte man nicht ironisch hören“

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Auf „Suicide“ kritisiert du ein bestimmtes Movement von Rappern, die Selbstzerstörung und Suizid verherrlichen. Kannst du da ein bisschen näher drauf eingehen?

Bei Lil Peep hat mich schon vor seinem Tod gestört, dass er diese ganzen Postings mit Untertiteln á la „I wanna die tonight“ verfasst und sich ständig vor seinen 13-16-jährigen Fans Drogen geschmissen hat. Mittlerweile machen auch viele deutsche Artists diesen Grind, diese Tristesse nach. Es muss ja nicht jeder darüber rappen, dass die Erde rund und bunt ist, aber wer so ‘nen Quatsch macht, muss sich auch nicht wundern, wenn er dann mal von mir parodiert wird. Ich treibe das mit dem Aufruf, im Kollektiv Suizid zu begehen, natürlich auf die Spitze.

Wobei man sagen muss, dass man bei vielen Künstlern nicht weiß, ob das wirklich nur Image ist. Siehe Lil Peep.

Definitiv, ich habe auch selber mit dem Song gehadert. Musikalisch mochte ich den halt sehr, aber ich habe mich schon gefragt, ob ich den wirklich als Single mit Video rausbringen will. Es hat sich aber richtig angefühlt und ich denke, dass man den Song mit ein bisschen was in der Birne schon richtig interpretieren wird.

„Alberner Alman“ ist für meine Verhältnisse ziemlich oft im Radio gelaufen, aber „Suicide“ wurde überall abgeblockt, einfach weil es ein zu heikles Thema war. Man kann schlecht Songs über Suizid im Nachtprogramm spielen, man weiß ja nicht, wer das dann in welcher Lebensphase hört. Trotzdem, und das klingt jetzt unfassbar arrogant, wer kann denn so einen Song machen, wenn nicht ich?

Und wie kam es zu dem einigermaßen bizarren Video in Indien?

Ich hab‘ mittlerweile ein paar indische Fans. Da gibt es so eine WG, die sogar ihr Bad mit „Grinden mit Delfinen“-Postern zugeklebt hat und einer aus deren Umfeld dreht für so ‘nen indischen YouTube-Kanal Musikvideos. Wir haben das dann komplett Low-Budget durchgezogen, uns Tänzerinnen von seiner Uni dazugeholt und das in so nem Bollywood-Stil aufgemacht. Es sollte halt total weird werden und wie die Mädels dann vor diesem Strick tanzen, ist halt auch schon ziemlich pervers. Wir sind von diesen ganzen Musikvideos in irgendwelchen exotischen Ländern mit Krokodilen auf dem Arm so übersättigt, da wollte ich mal einen anderen ganz anderen Grind fahren. „Suicide“ kann ich in Sachen Weirdness auf jeden Fall erstmal nicht mehr toppen.

Okay. Jetzt musst du aber noch erklären, wie du zu indischen Fans gekommen bist.

Oh, genau. Ich kam ja eben auf diese WG zu sprechen. Der Videoregisseur aus deren Umfeld hat mir irgendwann von sich aus angeboten, ein Video mit mir zu drehen. Normalerweise kostet das ein paar Tausend Euro, aber irgendwie haben wir uns dann auf ebenjene Low-Budget-Produktion einigen können.

Also wurdest du quasi aus dem Nichts aus Indien angefragt?

Ich hatte schon vorher so ein bisschen Kontakt zu meinen Fans aus Indien. Ich stell mir das so vor: Irgendwann hatten die mal einen Austauschstudenten aus Deutschland zu Besuch, der denen meine Musik gezeigt hat. Ich könnte mir vorstellen, dass die der Kontrast von „Grinden mit Delfinen“ zu der ganzen Bollywood-Popkultur ziemlich geflashed hat. Eigentlich müsste ich da mal selber nachfragen.

 

Wir müssen unbedingt noch über deinen Prank an dem Verschwörungs-Youtuber „Trau keinem Promi“ sprechen. Kannst du für die Leute, an denen das vorbeigegangen ist, nochmal die Story zusammenfassen?

Dieser „Suicide“-Song kam ja am 7. September raus, am gleichen Tag an dem leider Mac Miller verstorben ist – mutmaßlich an einer Überdosis, wie ich es in dem Song ja auch schildere. Das war natürlich direkt ein Fall für „Trau keinem Promi“. Ich habe dann ein paar Fans in einer Facebook-Gruppe geschrieben, dass sie ihn darauf aufmerksam machen sollen, weil ich weiß, dass er früher meine Mukke gefeiert hat – jedenfalls bis zu meinem Song „Freimaurerzionistenjudentum“, in dem ich Verschwörungstheorien verarsche. Dazu kam noch, dass zwei Tage später Daniel Küblböck von diesem Kreuzfahrtschiff gesprungen ist. Insgesamt kamen also viele Zufälle auf einmal zusammen und ich wusste, so komme ich vielleicht an mein Ziel, ein Interview mit „Trau keinem Promi“ zu führen.

Wie lief das Interview dann so ab?

Ich hatte schon ziemlich früh im Kopf, wie ich das machen werde. Dass ich glaubwürdig erscheinen muss und zum Ende hin ein paar Pointen raushaue. Ich wollte ihn damit auch ein bisschen testen – wenn er drauf reinfällt, steht er am Ende als Spinner da. Er hat das zwar in seinem Video ein bisschen relativiert, aber man hat eben schon gemerkt, dass er wie jeder größere YouTuber bloß auf Klicks aus ist. Rap klickt sich halt gut und er übertreibt in seinen Videos auch bewusst, aber leider gibt es sehr viele Menschen, die ihm das einfach glauben. Das bemerke ich jetzt auch an dem Shitstorm, den das Ganze nach sich gezogen hat.

Zusätzlich hast du noch ein ausführliches Facebook-Statement verfasst…

Das Problem war eben, dass ich nicht bei einem Major-Label gesigned war, er die aber immer als Strippenzieher vermutet. Deshalb hab‘ ich es dann damit so aussehen lassen, als wäre das alles im Hintergrund gelaufen. Kurz darauf hat er mich auch angefragt, mir Fragen geschickt und ich habe dann ein paar Antworten bei mir aufgenommen. Dann kam das Video und drei Tage später war der Spuk auch schon vorbei, als ihm ein paar Leute verraten haben, dass alles nur ein Riesen-Troll ist.

 

 

Glaubst du eigentlich wirklich, dass TKP nur auf Quote aus ist? Immerhin bewirbt er ständig diese Verschwörungszeitung „Express“ und befeuert aktiv Lügenpresse-Vorwürfe. Ich denke schon, dass er inzwischen sehr tief in der Thematik drinsteckt.

Ich glaube auch, dass er tief drinsteckt. Aber das sind dann eher diese 40-50 Minuten-Videos auf seinem Kanal und weniger die Deutschrap-Verschwörungsvideos. Als er mir selbst die Geschichte abgenommen hat, dass Rapper mit Buttplugs im Anus auftreten und in der Shishabar hängen müssen, um einen bestimmten Musikstil zu „erlernen“, dachte ich, das kann nicht ernst sein; er veröffentlicht das nur, weil er an die Quote denkt. Ich glaube, ihn hat nach Release schon überrascht, dass die Stimmung plötzlich mir gegenüber positiv war und er sich das genau andersrum erhofft hat.

Hattest du Sorge, dass du mit der Aktion eine Bewegung startest, die du irgendwann nicht mehr unter Kontrolle hast?

Ach, es ist doch nur Internet. Meine eigenen Leute werden das schon verstanden haben. Ich merke, dass die Tillman-Fans in den nächsten Monaten noch Welle unter meinen Videos machen werden, aber das ist am Ende nur eine kleine Grafik unter den Clips ohne Relevanz. Es ist auch immer amüsant, wenn seine Fanbase mir in den Kommentaren damit droht, dass Satan mich bestrafen wird. Wenn die Leute das ernsthaft glauben, tun sie mir leid.

Hast du nochmal etwas von ihm gehört, nachdem die Aktion aufgeflogen ist?

Neee (lacht). Als das Video dann offline war, habe ich ihn nochmal angeschrieben und ihn gefragt, ob er das eigentlich wirklich alles ernst meint. Dann hat er nur einen Teufels-Emoji geschrieben und ist mir entfolgt (lacht). Ich denke, er nimmt das auch alles irgendwie mit Humor. Er hat angekündigt, dass er gegen mich und Skinny von rap.de noch ein Video macht, aber eigentlich glaube ich nicht, dass das noch kommt – wäre ja nur Promo für mich.

Zum Abschluss: Hast du schon den nächsten Coup geplant?

Sowas kann man nicht planen, das passiert dann einfach. Ich will nicht derjenige sein, der die Leute nur mit irgendwelchen Pranks glücklich macht. Am Ende geht es darum, dass meine Musik Anklang findet und die Leute Spaß mit meinem Album haben. Das ist für mich am Wichtigsten.

 

(Autor: Friedrich Steffes-lay)

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