19. August 2019
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Das Ende unserer Helden – Folge 2: Prinz Pi

Das Ende unserer Helden – Folge 2: Prinz Pi

Fotoquelle: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
 

Jede Generation kennt das Gefühl, wenn die Helden der Jugend sich zu fragwürdigen Aktionen hinreißen lassen. Sei es ein Spitzenstürmer, der mit 29 nach China oder Saudi-Arabien geht, ein Actionheld, der wegen Geld ins Romantic-Comedy-Genre wechselt oder eben ein Rapper, der seinen Stil ändert. Genau mit Letzteren will ich mich in dieser neuen Rubrik befassen und ich garantiere Euch: Das wird unangenehm.

Heute gehen wir da hin wo es richtig weh tut. Prinz Pi (ehemals Prinz Porno) rappte sich mit dem Song „Keine Liebe“ schon früh in die Herzen Deutscher Rapfans. Jenseits von Pop und Kommerz fand sein roher Battlerap-Entwurf statt, der aber keineswegs seine Wortgewandtheit und Intelligenz verschleierte. Nach der Trennung von seiner damaligen Crew Beatfabrik wurde bereits 2004 ein Karriereende angekündigt, nur um ein Jahr später weiter zu rappen als wäre nichts gewesen. Von da an ging es langsam aber stetig nach oben, Prinz Pi gewann neue Fans, stieg erstmals in die Charts ein und machte seinen Namen über die Stadtgrenzen Berlins hinaus bekannt. Auf „Teenage Mutant Horror Show 2“ deutete er schon teilweise an was auf dem Nachfolgealbum „Rebell ohne Grund“ deutlich wurde: Der musikalische Anspruch des Rappers hatte sich über die Jahre verändert. Die Beats klangen plötzlich monumentaler, komplexer und viel professioneller gestaltet und obwohl Fans der ersten Stunde Kritik übten, war die Mehrheit noch glücklich mit der Platte. Auch das Akustik-Best-Of „Hallo Musik“ wurde kaum kritisiert, da es als reines Liebhaberprojekt vermarktet wurde.

Was danach kam, kann ich mir bis heute nicht ganz erklären. Vermutlich war Prinz Pi auf dem Weg nach Hause von seinem 15-jährigen Klassentreffen und gepackt von Nostalgie begann der Schreibprozess, oder warum sonst sollte ein Ü30er plötzlich so intensiv Songs über die Abizeit aufnehmen? „Kompass ohne Norden“ wirkte auf viele Fans wie ein offensichtlicher Cash-Grab und die erste Goldplatte in Prinz Pis Karriere bestätigt, dass es funktioniert hatte. 18-Jährige stürmten die Läden und fühlten sich verstanden von einem Mann, der höchstens 5 Jahre jünger war als ihre Eltern von denen sie sich so gar nicht verstanden fühlten. Da war ein Rapper der nicht nur genau die Gefühlswelt eines Erstsemester-Studenten wiedergab, sondern außerdem noch Liebeslieder auf der Platte hatte, die so wunderbar zu ihrer aktuellen Beziehung passten. Außerdem ist Geld nicht alles und die moderne Gesellschaft echt beschissen und die sozialen Medien setzen mich so unter Druck und ich vermissen meine Freunde aus dem Dorf und so schlimm war die Schule gar nicht und und und. Und vor lauter „und“ fiel ihnen nicht mal auf, dass tausende Gleichaltrige sich genau an denselben Punkten wiedererkannten, weil deren leben genau so unspektakulär und genormt war wie das Eigene. Vielleicht tue ich Prinz Pi unrecht und genau dieser Spiegel, war der eigentliche künstlerische Gedanke hinter Kompass ohne Norden, dann wäre jetzt der Zeitpunkt das endlich mal aufzulösen.

In mir löst das Album, aber vor allem der Song „Kompass ohne Norden“ immer ein seltsames Gefühl in der Magengegend aus. Ich kann bis heute nicht sagen, ob es daran liegt, dass ich die Schulzeit vermisse oder doch daran, dass es mir einfach unangenehm ist meinen Helden so sehen zu müssen… eigentlich weiß ich es doch. Es ist Zweiteres. Es ging aber auch noch unangenehm weiter: „PP=MC²“ möchte ich jetzt gar nicht genauer thematisieren, denn das versuchte Prinz Porno Comeback ist nichts anderes als ein Anruf bei der Ex um halb 4 morgens an Silvester, weil man gehört hat, dass sie 10kg abgenommen hat.

Ich schließe mit einem Prinz Pi Zitat:

Meine Eltern sagen ich soll was Vernünftigeres machen. Keine Kohle mit Musik ich bleib trotzdem Untergrund.

– Wolken vor dem Mund

Ja… das kann man jetzt nicht weg argumentieren.

 

 

Lust auf mehr unangenehme Momente? Hier gehts zu Folge 1:

Das Ende unserer Helden – Folge 1: Olson

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